Bernardí Roig im Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna

Der 1965 in Palma de Mallorca geborene Bernardí Roig gehört zu den wichtigsten Gegenwartskünstlern Spaniens. Vor allem seine menschlichen Lichtskulpturen sorgen international für Furore. Vom 24. November 2018 bis zum 14. April 2019 zeigt nun das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna in der Ausstellung „Excess“ zahlreiche Werke des spanischen Künstlers.

Bernadí Roig, Unna, Prediger Lichtjournal

„Practices to catch the time“ von Bernardí Roig aus dem Jahr 2014. Foto: Bernhard Rot

Licht lässt uns sehen, Licht schafft Klarheit, Licht schmeichelt, Licht verbindet. Eigenschaften, die man mit Licht verbindet, sind per se positiv konnotiert. Mit genau dieser bejahenden Aufladung spielt Bernardí Roig und kehrt sie ins Negative. Denn bei ihm ist Licht weder schön noch kommunikativ – es isoliert, überfordert, macht einsam. Am besten ist das an seinen menschlichen Skulpturen aus Polyesterharz zu erkennen. Die männlichen Kunstharzkörper lehnen an Wänden oder Türen und werden von grellem Neonlicht entweder überflutet oder gleich direkt isoliert und eingesperrt.

Roigs Licht ist kein Licht, das Klarheit schafft. Nein, es fordert heraus und blendet sogar. Nicht nur das Auge. Sondern auch das Gemüt. Aus gutem Grund, wie Bernardí Roig selbst erklärt: „Wir leben heute in einer Atmosphäre gefüllt mit Bildern, aber das Erlebnis, welches diese produziert, hat eine geringe Intensität. Es ist heute noch schwieriger, einem Bild eine Bedeutung zu geben. Wir sind dem Licht unterworfen, einem Licht, das die Grenzen der Dinge auflöst, einer weißen Linie, zwischen der sich alles bewegt.“

Bernardí Roig und die Wirkung des Lichts

Bernardí Roig, Unna, Prediger Lichtjournal

„An Illuminated head for Blinky P.(The gun)” von Bernardí Roig aus dem Jahr 2010. Foto: Bernhard Rot

In seinen Werken verarbeitet Roig diese negative Metaebene des Lichts, macht sie sichtbar. Bei ihm ist Licht eine urgewaltige und dennoch ästhetisierte Wucht, die dank ihres von ihm verwendeten Überschusses, eben jenem „Excess“, welcher namensgebend für die Ausstellung ist, davon abhält, mit Licht sehen zu können. Eher lässt er den Betrachter durch Licht mit den Skulpturen mitleiden. Licht zeigt sich bei Bernardí Roig als Last, als Überbeanspruchung menschlicher Sinne, als Schattenseite eines Überangebots.

Das Zentrum für Internationale Lichtkunst stellt sechs dieser ebenso großen wie beeindruckenden Skulpturen in den Mittelpunkt der Schau. Weitere Arbeiten des spanischen Künstlers werden zudem an eher unerwarteten Stellen im Museum zu finden sein. Außerdem hat Bernardí Roig eine ortsspezifische Arbeit eigens für die Räumlichkeiten in Unna geschaffen, die vom 24. November 2018 an ebenda zu bewundern sein wird.