Altlampen: 90 Prozent der verbauten Wertstoffe werden wiederverwertet

Umweltschutz und Energieeffizienz gehen Hand in Hand, das ist bekannt. Doch mit der Entwicklung neuer, wesentlich besserer Lichttechnologien mussten sich Politik und Hersteller Gedanken um die fachgerechte Entsorgung von Gasentladungslampen, Energiesparlampen und LED-Leuchtmitteln machen. Anders als die ausgedienten Glühlampen gehören diese Leuchtmittel nämlich auf gar keinen Fall in den Hausmüll. Aus diesem Grund wurde vor ziemlich genau zehn Jahren das herstellerübergreifende Gemeinschaftsunternehmen Lightcycle gegründet. Pünktlich zum Firmenjubiläum erklärt Lightcycle-Geschäftsführer Stephan Riemann im Gespräch mit dem Prediger-Lichtjournal, wie das Recycling von alten und kaputten Leuchtmitteln mit Hilfe von Lightcycle funktioniert, welche Bestandteile wiederverwertet werden können und welchen Herausforderungen sich sein Unternehmen in Zukunft stellen muss. 

Energiesparlampen und LED-Leuchtmittel gehören nicht in den Hausmüll, sondern am besten in eine Sammelbox. Um die fachgerechte Wiederverwertung des Leuchtmittels kümmert sich dann Lightcycle. Foto: Lightcycle

Energiesparlampen und LED-Leuchtmittel gehören nicht in den Hausmüll, sondern am besten in so eine Sammelbox. Um die fachgerechte Wiederverwertung des Leuchtmittels kümmert sich dann das Non-Profit-Unternehmen Lightcycle. Fotos (2) und Grafik: Lightcycle

Herr Riemann, warum gehören LED-Lampen oder Energiesparlampen nicht – wie eine kaputte Glühlampe – in den Hausmüll?

Ausgediente LED- und Energiesparlampen enthalten elektronische Bauteile. Damit fallen sie unter das ElektroG (Elektro- und Elektronikgerätegesetz, Anm. der Redaktion) und müssen separat entsorgt werden. Durch die umweltgerechte Entsorgung wird gewährleistet, dass wertvolle Bestandteile der Lampen wie Glas und Metall nicht verloren gehen, sondern der Wiederverwertung zugeführt werden. Außerdem können während des Recyclingvorgangs auch die in geringen Mengen enthaltenen Schadstoffe fachgerecht entnommen werden.

Welche Bestandteile einer Lampe lassen sich überhaupt wiederverwerten?

Mehr als 90 Prozent der in ihr verbauten Wertstoffe werden der Wiederverwendung zugeführt. Am Ende des Recyclingvorgangs bleiben vier so genannte Output-Fraktionen:

  • 80-90% Glas. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Natron-Kalkglas, das bei der Produktion neuer Lampen eingesetzt wird.
  • 7-14% metallische Komponenten und Kunststoffe. Diese werden separiert und industrieller oder thermischer Verwertung zugeführt.
  • 1-3% Leuchtstoffpulver. Das Leuchtstoffpulver wird fachgerecht  bis zur möglichen Wiederverwertung gelagert.
  • < 0,01% Quecksilber. Bei Destillation des Quecksilbers aus dem Leuchtstoff wird dieses recycelt und kann industriell wieder verwendet werden
Fast alle Bestandteile einer Leuchte können bei fachgerechter Entsorgung wiederverwertet werden. Grafik: Lightcycle

Fast alle Bestandteile einer Leuchte lassen sich bei fachgerechter Entsorgung wiederverwerten.

Erklären Sie bitte kurz, wie Lichtrecycling bei Lightcycle funktioniert.

Lightcycle organisiert die Sammlung und die Rücknahme-Logistik. Das bedeutet, Lightcycle stellt Sammelpartnern wie Wertstoffhöfen, dem Handel oder dem E-Handwerk Sammelboxen zur Verfügung und sorgt dafür, dass die vollen Sammelbehälter zu den beauftragten Entsorgern fachgerecht transportiert werden. Im Altlampen-Recycling selbst kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz, mit denen die Lampen in ihre Einzelbestandteile zerlegt werden. Alle Verfahren stellen sicher, dass durch Unterdruckatmosphäre und Abluftreinigungssysteme keine Schadstoffe entweichen können.

Wie viele Rücknahmestellen gibt es bereits in Deutschland und wo befinden sich diese?

Deutschlandweit gibt es mittlerweile mehrere Tausend Sammelstellen, zum Beispiel bei Wertstoffhöfen, im Einzelhandel oder im E-Handwerk. Auf https://www.lightcycle.de finden Verbraucher ihre nächstgelegene Sammelstelle.

Wird das Angebot an Rücknahmestellen in Zukunft noch weiter ausgebaut?

Dank der Vielzahl an Partnern stellt Lightcycle schon heute flächendeckend Sammelstellen zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es noch Tausende von Händlern, z.B. im Fachhandel, die auf Nachfrage Altlampen zurücknehmen, oder Einzelhandelsketten, die dies selbstorganisiert tun. Trotz dieses bereits heute engmaschigen Netzes an Sammelstellen bieten wir interessierten Händlern weiterhin eine Sammelpartnerschaft an.

Recycling und Umweltschutz sind wichtige Themen. Die Aufklärung wird diesbezüglich immer besser. Wie trägt Lightcycle dazu bei?

Der Erfolg in der Sammlung hängt direkt am Wissen der Menschen über die korrekte Entsorgung. Daher ist für Lightcycle die Aufklärung eine Kernaufgabe. Neben umfangreichen PR- und Werbemaßnahmen führen wir zum Beispiel mit unserer App „Recycling Master“ auch Jugendliche auf spielerische Art an das Thema heran.

Ihr Unternehmen wurde vor fast zehn Jahren von Vertretern aus der Lampen- und Leuchtenindustrie gegründet. Was waren damals die Beweggründe?

2005 wurden wir als Rücknahmesystem für Altlampen von führenden Lichtherstellern gegründet. 2006 nahmen wir mit dem Inkrafttreten des ElektroG auch den operativen Betrieb auf. Damals wurden mit dem ElektroG die Lichthersteller verpflichtet, die Rücknahme von Altlampen zu übernehmen. Um dies möglichst effizient und verbraucherfreundlich zu organisieren, taten sich die großen Hersteller zusammen und gründeten ein herstellerübergreifendes Gemeinschaftsunternehmen: Lightcycle.

Wie bewerten Sie die Entwicklung von Lightcycle in den zurückliegenden Jahren?

Stephan Riemann ist Geschäftsführer von Lightcycle.

Stephan Riemann ist seit 2012 Geschäftsführer von Lightcycle.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Wir haben die Rückgabemöglichkeiten für Verbraucher und den B2B-Bereich stetig ausgebaut, drei von vier Verbrauchern wissen heute, wie sie ihre Altlampe korrekt entsorgen müssen. Lightcycle hat in den letzten Jahren mehr als 90% der zurückgebrachten Altlampen einem fachgerechten Recycling zugeführt. So konnten wir für unsere Mitglieder und uns wertvolle Ressourcen schonen und unsere Umwelt vor Schadstoffen bewahren. Ich würde sagen, in den vergangen zehn Jahren haben Lightcycle und seine Mitglieder gezeigt, wie Produktverantwortung vorbildlich umgesetzt werden kann. Umso spannender ist nun, was in den kommenden zehn Jahren passiert – das novellierte ElektroG setzt den Startschuss dafür im Herbst.

Leuchtmittel wie LEDs werden immer besser und langlebiger. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Lightcycle in Zukunft immer weniger recyceln muss. Warum ist das aber nicht so?

Qualitative LED-Lampen, die heute in den Verkehr gebracht werden, kommen in hoher Stückzahl vermutlich in der Tat erst in vielen Jahren zurück. Bis dahin sind auf dem Markt aber noch lange Zeit Lampen älterer Technologien wie Energiesparlampen oder Leuchtstoffröhren. Diese werden in den kommenden Jahren sicher noch das Gros der Altlampen ausmachen. Hinzu kommt, dass auch Lampen zurückkommen, die schlicht nicht mehr in Mode sind oder die durch neue Technologien abgelöst wurden.

Wie bewerten Sie die immer schnellere Entwicklung auf dem Gebiet der Licht-Technologie?

Die Entwicklung in der Lichtindustrie ist aktuell enorm dynamisch. Es sprießen neue Technologien und Anwendungsbereiche nur so aus dem Boden: LED-Lampen wurden nun auch für den alltäglichen Gebrauch erschwinglich, OLED steht in den Startlöchern zur kommerziellen Nutzung. Neben den wachsenden Gestaltungsmöglichkeiten für die Verbraucher ist der Aspekt der Energieeffizienz besonders hervorzuheben. Für uns bedeutet dies allerdings auch: Die Entsorgung muss sich auf die neuen Technologien einstellen. Hier ist neben Lightcycle auch die Politik gefragt, den entsprechenden Rahmen bereitzustellen.

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