Jean-Marc da Costa: „Wollen Leuchten entwickeln, die sinnvoll sind“

Annex, SML, Twin oder Curling: Der deutsche Markenhersteller serien.lighting hat sich mit seinen innovativen und zeitlos-eleganten Designleuchten in den vergangenen 30 Jahren national wie international einen Namen gemacht. Großen Anteil daran hatte neben seinem gleichberechtigten Partner Manfred Wolf natürlich vor allem Jean-Marc da Costa. Der gebürtige Schweizer, der in der Schweiz, Portugal und Deutschland aufwuchs, ist schließlich Mitbegründer, Inhaber und Chefdesigner von serien.lighting. Trotz eines vollen Terminkalenders empfing da Costa das Prediger Lichtjournal auf der Light + Building 2016 in Frankfurt am Main zum Interview und beantwortete geduldig alle Fragen.   

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Herr da Costa, Sie und Ihr Unternehmen serien.lighting haben gerade viel zu feiern. Im vergangenen Jahr stand erst das 30-jährige Firmenjubiläum auf dem Programm, vor kurzem erhielten Sie zwei ICONIC Awards: Interior Innovation für die Curling- sowie die App-Leuchtenfamilie und auf der Light + Building wurde die App-Leuchte auch noch mit dem Design Plus Award 2016 ausgezeichnet. Wie viele Glückwünsche haben Sie in Frankfurt schon entgegen genommen?

Einige Glückwünsche gab es natürlich, nicht nur zum Jubiläum oder zu den Awards, sondern auch für unseren Messeauftritt hier in Frankfurt. Wir haben uns vor gut drei Jahren endgültig für den Technologiewandel hin zur LED entschieden, um im Markt weiter bestehen zu können. Unsere Entwicklungsabteilung wurde in den zurückliegenden zwei Jahren personell wie finanziell sehr stark in Anspruch genommen. Außerdem mussten wir uns teilweise das nötige Know-how ins Haus holen. Das Ergebnis spricht aber für sich und man sieht es jetzt auf der Messe, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Wir haben unsere Klassiker komplett auf LED umgerüstet und setzen auch bei unseren Neuheiten nur noch auf die Halbleitertechnik. Unser Ziel ist es immer noch, Produkte mit einer hohen Lebensdauer und einem zeitlosen Design auf den Markt zu bringen, die auch in 20 Jahren noch modern wirken. Unsere Kunden erkennen und schätzen das. Und auch in Zwiegesprächen mit Mitbewerbern bekommen wir diesbezüglich gutes Feedback. Es gab zudem zahlreiche Beiträge in der Presse und in anderen Medien, die wir hilfreich fanden und zum Teil als Glückwünsche interpretiert haben. Deshalb kann ich sagen, dass ich uns im Produktbereich durchaus in der Champions League sehe, im Vertrieb müssen wir uns dagegen weiter verbessern.

Haben Sie Ihr Firmenjubiläum eigentlich ausgiebig gefeiert oder hatten Sie dafür keine Zeit?

Wir haben im kleinen Kreis gefeiert, quasi innerhalb der Unternehmensfamilie. Das Jubiläum haben wir über unser Marketing zwar kommuniziert, aber auf eine große Feier verzichtet. Schließlich haben wir uns sehr stark auf die Entwicklung von Produktneuheiten und die Umstellung unserer Klassiker auf die LED-Technologie konzentriert und das Geld lieber dafür eingesetzt.

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Blicken wir kurz auf die Unternehmensgeschichte von serien.lighting: Was waren die wichtigsten Meilensteine bis hierhin?

Wenn man in der Firmenhistorie ganz weit zurückschaut, muss man schon sagen, dass uns mit dem Einstieg in den Leuchtenmarkt ein echter Senkrechtstart gelungen ist. Manfred Wolf und ich haben drei bis vier Jahre als Studenten am Konzept für unsere Firma gearbeitet und unsere Halogen- und Leuchtstoff-Leuchten dann 1985 erstmals zur Messe im Kölner Möbelhaus Stoll präsentiert. Auf einen Schlag hatten wir für unsere Produkte 32 Handelspartner und wurden von Tag zu Tag schlauer. Es hat dann nochmal etwa zehn Jahre gedauert, bis wir verstanden haben, was beim Licht wichtig ist und wie man damit umgeht. Irgendwann konnten wir dann mehr bieten als nur schönes Design. Der nächste Meilenstein war sicherlich, dass wir irgendwann angefangen haben mit freien Handelsvertretern zusammenzuarbeiten, dadurch hat die Marke serien.lighting eine gewisse Relevanz bekommen. Auch das Glühlampenverbot war ein Meilenstein, denn wir wurden dadurch gezwungen, neue Produkte mit einem anderen Anspruch an Gestaltung und Energieeffizienz zu schaffen. Das haben wir aber als Herausforderung begriffen, uns weiterentwickelt und unsere Kompetenzen erweitert. Das Ergebnis ist jetzt auf der Messe zu sehen.

So ein Jubiläum ist nicht nur Anlass auf Vergangenes zurückzublicken, sondern auch immer eine gute Gelegenheit um die Ziele für die Zukunft abzustecken. Verraten Sie uns, wo die Reise von serien.lighting hingeht?

Die Reise geht unbeirrt weiter. So wie bisher wollen wir die Bedürfnisse der Kunden erkennen und mit unserer wachsenden Kompetenz Leuchten entwickeln, die für den Anwender sinnvoll sind. Das tun wir mit zunehmender Selbstsicherheit und können dadurch nicht nur unsere eigenen Designentwürfe umsetzen, sondern entwickeln die Produkte von externen Designern in unserem Haus weiter. Das eröffnet wiederum neue Möglichkeiten und bringt uns auf Ideen, auf die wir vielleicht selbst nie gekommen wären. Wir werden sicherlich auch in Zukunft keine Leuchten entwickeln, die einfach nur irgendwelche Trends oder den Zeitgeist wiederspiegeln, stattdessen versuchen wir weiterhin, Produkte zu entwickeln, an denen die Kunden lange Freude haben. Ziel ist es aber natürlich, den Output an neuen Produkten zu steigern, gleichzeitig aber unsere hohe Qualität beizubehalten.

Seit Beginn an führen Sie die Unternehmensgeschicke gemeinsam mit Designer Manfred Wolf. Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden aus und was macht sie auch nach über 30 Jahren noch so besonders?

Ich teile mir mit Manfred Wolf seit über 30 Jahren ein Büro, wir ziehen aber immer noch am selben Strang. Scheinbar haben wir ein Rezept gefunden, mit dem die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert, wir uns aber auch privat sehr gut verstehen. Denn uns verbindet viel mehr als eine geschäftliche Beziehung. Ich würde sogar sagen, dass wir bei serien.lighting so etwas wie eine gemeinsame Familie mit vielen Kindern haben. Unsere Freundschaft hat über die Jahre sicherlich unser Unternehmen geprägt und das wird auch von außen so wahrgenommen. Das macht uns sehr stolz.

Teilen sich seit mittlerweile 30 Jahren das Büro: Manfred Wolf (links) und Jean-Marc da Costa, die ihr Unternehmen serien.lighting bereits zu Studienzeiten gründeten.

Teilen sich seit mittlerweile über 30 Jahren ein Büro: Manfred Wolf (links) und Jean-Marc da Costa, die ihr Unternehmen serien.lighting bereits in ihrer Studentenzeit gründeten. Alle Fotos: serien.lighting

Sie sind Geschäftsführer eines erfolgreichen Leuchten-Herstellers und gleichzeitig auch ein mehrfach ausgezeichneter Produktdesigner. Beschreiben Sie den kreativen Prozess, der abläuft, wenn Sie neue Leuchten entwickeln.

Ich komme sehr viel in der Welt herum, nehme dadurch viele Eindrücke und Dinge aus anderen Kulturkreisen wahr. Das beeinflusst den kreativen Prozess sehr stark, gleichzeitig spielt dabei aber auch eine große Faszination für Technik, Konstruktion und Design mit. Da ich immer noch analog arbeite, fange ich immer mit einer einfachen Skizze an. Zum Beispiel auf einem Bierdeckel bei Wein und Musik. Mein erster Strich ist immer die Decke, Wand, den Boden oder die Tischfläche. Dann zeichne ich weiter und probiere verschiedene Formen und Ideen aus. Der nächste Schritt ist ein grobes mechanisches Muster bzw. eine Volumenstudie. Danach wird der Entwurf dann mit dem Computer animiert und in diversen Simulationen werden eventuelle Mängel festgestellt. Wenn digital schließlich alles getestet wurde, bauen wir erste Prototypen, die zum Beispiel auf der Messe präsentiert werden. So wie diesmal bei der Wandleuchte Rod. An diesen Prototypen wird dann weiter gefeilt, bis die Leuchte fit für die Serienproduktion ist. Wenn wir allerdings Vorschläge von externen Designern bekommen, was regelmäßig der Fall ist, verläuft der Prozess selbstverständlich ein wenig anders.

Es gibt nicht wenige Experten, die die Zukunft von Licht und Beleuchtung eher in ganzheitlichen Lichtlösungen und weniger in einzelnen Design-Leuchten sehen. Wie meistert serien.lighting die enormen Herausforderungen, die das Unternehmen in einem immer dynamischeren Licht- und Leuchtenmarkt meistern muss?

Durch die technischen Möglichkeiten, die LEDs und OLEDs bieten, wird Licht immer mehr Teil der Architektur. Das ist mir durchaus bewusst, ich empfinde das aber nicht als bedrohlich. Denn das ist nicht unser Aufgabenfeld. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Kunden auch in Zukunft ein Bedürfnis nach Leuchten als Einrichtungsobjekt haben. So gibt es heutzutage auch ein erhöhtes Interesse an Vintage-Möbeln, einfach deshalb, weil sie für viele eine größere Ästhetik ausstrahlen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich unsichtbare Lichtquellen in bestimmten Umgebungen durchsetzen, zum Beispiel in Hotels oder Konferenzräumen. Leuchten als Designobjekte werden aber vor allem für den privaten Bereich gute Überlebenschancen haben, denn dort möchte man auf Dauer nicht alles clean und glatt haben.

Konnten Sie sich auf der Messe umschauen? Welchen Eindruck haben Sie von der diesjährigen Light + Building und haben Sie bereits einige Trends ausgemacht?

Mein Aktionsradius beschränkt sich in den ersten Messetagen vor allem auf unseren eigenen Stand. Wir haben unheimlich viele Besucher. Zahlreiche Händler, aber auch Planer und Architekten zeigen ein großes Interesse an unseren Leuchten. Wir verzeichnen eine höhere Frequenz an unserem Stand als bei vorherigen Messen, das fühlt sich sehr gut an. Bislang habe ich nur die befreundeten Mitbewerber besucht, mir aber ganz fest vorgenommen, dass ich mir in den letzten Messetagen einen besseren Überblick verschaffe. Was ich aber schon sagen kann: Händler und Hersteller strahlen insgesamt eine deutlich positivere Grundstimmung aus als vor zwei Jahren.

Schlicht, aber einfach genial: Die Wandleuchte App von serien.lighting wurde auf der Light + Building 2016 mit dem Design Plus Award ausgezeichnet, was nicht nur Firmenchef Jean-Marc da Costa gefreut hat.

Schlicht, aber einfach genial: Die Wandleuchte App von serien.lighting wurde auf der Light + Building 2016 mit dem Design Plus Award ausgezeichnet, was nicht nur Firmenchef Jean-Marc da Costa gefreut hat.

Welche Neuheiten und Innovationen präsentiert Ihr Unternehmen in Frankfurt?

Neben den neuen LED-Versionen unserer Klassiker präsentieren wir in Frankfurt zwei echte Neuheiten. Die runde Wandleuchte Lid und die eckige Wandleuchte Rod. Beide vermitteln einen schwebenden Eindruck, sind mit Casambi ausgerüstet und daher per Bluetooth bzw. App steuerbar. Natürlich sind beide in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Darüber hinaus haben wir bei der Wandleuchte SML2 die Elektronik erneuert und bieten sie demnächst in sechs verschiedenen Längen und mit vier Oberflächen an.

Zum Abschluss noch eine einfache Frage: Welche ist Ihre Lieblingsleuchte und warum?

Ich mag sehr gerne die Pendelleuchte Light Structure von Ingo Maurer, die es mittlerweile auch als LED-Ausführung gibt. Die Leuchte hat den Charakter einer Lichtskulptur. Vielleicht mag ich sie deshalb so gerne, weil wir so etwas nie machen würden.

Und welche Leuchte mögen Sie besonders aus dem Portfolio von serien.lighting?

Im Moment bin ich sehr verliebt in die Curling-Leuchten.

Herr da Costa, vielen Dank für das interessante Gespräch.

12. April 2016, Christian Buchholz
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