Claude Maurer: „Wir bieten Leuchten an, die komplett anders sind“

Der Name steht seit fast 50 Jahren für ausgefallene Leuchten-Entwürfe und witzige Design-Ideen: Ingo Maurer. Das Unternehmen aus München wird seit 2011 gemeinschaftlich vom Gründer und Namensgeber Ingo sowie dessen Tochter Claude Maurer geführt, die sich auf der Light + Building vor kurzem in Frankfurt am Main die Zeit für ein Interview mit dem Prediger Lichtjournal nahm. Dabei gab sie nicht nur Einblicke in die Unternehmensphilosophie, sondern verriet auch noch, auf welche spannenden Neuheiten sich die Kunden freuen dürfen. Unser Experteninterview:  

Claude Maurer, die Tochter von Leuchten-Ikone Ingone Maurer, empfing das Prediger Lichtjournal auf der Light + BUilding 2016 zum Interviewtermin. Foto: Prediger

Claude Maurer, Tochter von Leuchten-Ikone Ingo Maurer und Geschäftsführerin des gleichnamigen Unternehmens, nahm sich auf der Light + Building Zeit für ein Interview mit uns. Foto: Prediger

Frau Maurer, wie gefällt Ihnen die diesjährige Light + Building? Haben Sie sich schon umschauen und einige Trends ausmachen können?

Ich bin nicht viel auf der Messe herumgekommen, da unser Stand an allen Tagen sehr gut besucht war und ich gebraucht wurde. Die Resonanz war bislang wirklich sehr erfreulich. Morgens und abends auf dem Weg zu unserem Messestand habe ich aber natürlich immer ein wenig von den anderen Ausstellern und ihren Ständen in unserer Halle gesehen. Was mir aufgefallen ist: Alle Neuheiten sind mittlerweile mit LED-Technik ausgestattet, aber Innovationen und Trends konnte ich nicht direkt ausmachen.

Beim Messerundgang fällt auf: Ingo Maurer Leuchten heben sich ganz bewusst von der Masse ab. Schildern Sie doch kurz die Unternehmensphilosophie, die sicherlich einen großen Teil zum Erfolg Ihres Unternehmens beiträgt.

Mein Vater hat die Firma vor ziemlich genau 50 Jahren gegründet. Das Besondere bei uns ist, dass alles unter einem Dach geschieht. Soll heißen: Von der Idee über die Entwicklung bis hin zur Produktion – unsere Leuchten entstehen vollständig an unserem Stammsitz in München. Gleichzeitig haben sie einen sehr handwerklichen Charakter, denn jede Leuchte wird von Hand gefertigt. Das hat natürlich den Vorteil, dass wir nicht an die Möglichkeiten maschineller Produktion gebunden sind. Wir haben glücklicherweise die Freiheit Leuchten anzubieten, die komplett anders sind als die der übrigen Hersteller. Mein Vater hat sich auch nie auf einen bestimmten Stil festlegen lassen. Einerseits verfolgen seine Leuchten eine technisch ganz klare Linie, andererseits ist ihr Design oft sehr verspielt. Diese Uneinheitlichkeit und die Vielfalt der Modelle prägen den Charakter unserer Kollektion. Diese Linie wollen wir auch in Zukunft beibehalten. Ingo Maurer ist darüber hinaus ein recht kleines Unternehmen mit vielen langjährigen Mitarbeitern, die ein großes Team bilden. Das Zwischenmenschliche spielt bei uns eine große Rolle, deshalb ist es uns besonders wichtig, dass unsere Mitarbeiter sich bei uns wohlfühlen.

Die Glühlampe ist auch im LED-Zeitalter eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Inspirationsquelle für neue Produkte von Ingo Maurer. Sind Ihre Leuchten deshalb nur etwas für Retro-Fans?

Nicht ausschließlich. Die Stehleuchte Ringelpiez, die wir hier auf der Light + Building vorgestellt haben, hat nichts mit der Glühlampe zu tun. Aber es ist richtig, dass mein Vater immer wieder gern auf das Thema Glühlampe zurückkommt. Schließlich hat er seine Arbeit auch mit der Bulb begonnen, die 2016 ihr 50. Jubiläum feiert. Aus diesem Anlass wird es eine Sonderedition geben, die wir im April 2017 auf der Euroluce in Mailand vorstellen. Aber bei uns entstehen auch Leuchten, die nicht auf den Ideen meines Vaters beruhen. Trotzdem bringt er sich in den Gestaltungsprozess mit ein und entwickelt Ideen weiter. Ein gutes Beispiel dafür ist die Walking Bulb, die wir erstmals im vergangenen Jahr auf der Mailänder Messe vorgestellt haben.

Beschreiben Sie kurz den kreativen Prozess: Wie und wo entstehen die Ideen für neue Ingo Maurer Leuchten?

Da gibt es natürlich unterschiedliche Wege. Meinem Vater kommen oft spontane Eingebungen und Ideen zu bestimmten Formen und Konzepten wie zum Beispiel bei den neuen, ausbalancierten LED-Tischleuchten Keep Balance bzw. Ru Ku Ku. Ansonsten entstehen Ideen aber auch auf anderen Wegen. Manchmal entstehen sie im Team, gerade jetzt in den Jahren der Umstellung auf LED. Einige unserer Modelle machen mit LED-Retrofit-Leuchtmitteln kein gutes Licht, würden aber von der Funktionalität im Programm fehlen. Dann beschäftigen wir uns mit dem Thema intensiv und suchen nach Formen, die uns gefallen könnten. So entstand unter anderem die Wandleuchte 18 x 18, eine meiner Lieblingsleuchten, die wir in Frankfurt auch als Twin-Variante zeigen. Drittens präsentieren interne oder externe Designer eigene Ideen und kommen damit auf uns zu. Wenn sie uns gefallen und wir die Idee für umsetzbar halten, nehmen wir sie gerne auf. Die Ideen werden dann inhouse zur Produktreife entwickelt. So wie bei der flachen Tischleuchte Looksoflat oder unseren beliebten Campari-Leuchten.

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Welche Neuheiten und Innovationen präsentiert Ihr Unternehmen in diesem Jahr auf der Light + Building in Frankfurt/Main?

Wie schon erwähnt, zeigen wir mit der Keep Balance und der Ru Ku Ku zwei neue Tischleuchten. Allerdings ist der Entwicklungsprozess bei Ru Ku Ku, bei der sich ein Ei und eine Glühlampe die Waage halten, längst noch nicht abgeschlossen. Kurz vor der Messe hat mein Vater nämlich den Leuchtenstab noch durch eine tanzende Figur ersetzt, was der Leuchte einen noch leichteren Charakter verleiht. Neu ist aber auch die Stehleuchte Ringelpiez mit einem ausziehbaren Karbonstab, der sich in eine der beiden Öffnungen im Fuß stecken lässt. Der ringförmige Leuchtenkörper ist mit LEDs bestückt, die einen Farbwiedergabewert von CRI 96 haben. Er lässt sich abnehmen und wahlweise für eine direkte oder indirekte Beleuchtung einsetzen.

Es gibt nicht wenige Experten, die die Zukunft von Licht und Beleuchtung eher in ganzheitlichen Lichtlösungen und weniger in einzelnen Design-Leuchten sehen. Wie meistert Ihr Unternehmen die enormen Herausforderungen, die es in einem immer dynamischeren Licht- und Leuchtenmarkt bewältigen muss?

Wir können diese Entwicklung bislang noch nicht feststellen, aber das liegt vielleicht auch daran, dass wir in erster Linie skulpturale, sehr ausdrucksstarke Leuchten im Programm haben. Unsere Leuchten bringen immer einen ganz eigenen Charakter in den Raum. Viele unserer Kunden suchen genau das bei uns. Entwürfe, die einen starken, eigenen Ausdruck haben. Andererseits macht mein Vater mit einem Teil des Teams schon seit vielen Jahren regelmäßig Lichtplanungen für Architekten und Bauherren, auch für ganze U-Bahn-Stationen. Wir entwickeln immer wieder auch Produkte und Ideen für ganzheitliche Lösungen. Daraus entstehen teilweise auch Produkte, die von Lichtplanern eingesetzt werden können. Die Schlitz Up, die in die Decke eingeputzt wird, ist dafür ein gutes Beispiel. Das Know-how für ganzheitliche Lösungen haben wir jedenfalls.

Beschreiben Sie kurz, wann Sie Ihre Liebe zum Licht entdeckt haben und was gutes Licht für Sie ausmacht.

Claude Maurer

Claude Maurer

Ich bin natürlich mit Licht und Leuchten aufgewachsen. Ich war, seit ich denken kann, immer umgeben von Licht und schon als kleines Kind mit meinem Vater auf den Messen. Gutes Licht entsteht für mich, wenn es mehrere Lichtquellen in einem Raum gibt, der Raum also mit Hilfe von Hell-Dunkel-Kontrasten in unterschiedliche Lichtzonen untergliedert wird. Auch die Lichtfarbe und ein hoher Farbwiedergabewert spielen für mich eine große Rolle. In jedem Fall muss das Licht zur jeweiligen Situation bzw. Anwendung passen. Schrecklich finde ich dagegen gleichmäßig, fahl und viel zu hell beleuchtete Räume, so wie im Krankenhaus. Das ist für mich der Inbegriff für schlechtes Licht.

 

Sie sind die Tochter von Firmengründer Ingo Maurer und seit über vier Jahren auch Geschäftsführerin. Wieviel Kreativität hat Ihnen Ihr Vater mit in die Wiege gelegt? Dürfen wir in Zukunft auch Leuchtenentwürfe aus Ihrer Feder erwarten?

Die eigene Kreativität kann man selbst ja schlecht beurteilen. Ich habe jedenfalls kein starkes Bedürfnis, gestalterisch tätig zu sein. Mir liegt es dagegen eher, neue Konzepte und Ideen in allen möglichen unternehmerischen Bereichen zu durchdenken, zu entwickeln und eventuell umzusetzen. Eigene Leuchtenentwürfe würde ich trotzdem nicht gänzlich ausschließen, aber Priorität hat das Thema für mich nicht. Da gibt es genug andere, die genau diese Tätigkeit lieben. Was ich mir definitiv vorstellen könnte, wäre alle paar Monate spannende, neue Ideen zu präsentieren, wie es viele Gestalter tun. Das ist eine wirklich bewundernswerte Gabe, wie ich finde.

Zum Abschluss noch eine leichte Frage: Welches ist Ihre Lieblingsleuchte von Ingo Maurer?

Das ist schwierig, da wir sehr viele schöne Leuchten haben. Zum Beispiel die Tischleuchte Don Quixote, die mein Vater auch sehr gern mag. Die Tischleuchte Poul Poul mag ich ebenfalls sehr gerne. Wobei: Ich müsste noch mehr Leuchten nennen, meine Liste ist noch viel länger.

Frau Maurer, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

3. April 2016, Christian Buchholz
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