Man sieht zwei Hände, von denen eine einen Tablet-Stift hält und damit Anmerkungen in einem Grundriss auf dem Tablet einträgt. Unter dem Tablet liegen zusätzlich ausgedruckte Pläne. (Foto: Johannes Arlt)

Licht-Wissen Geschichte und Grundlagen der Lichtplanung

Unsere Wahrnehmung wird wesentlich durch Licht geprägt. Mit der Frage, wie man Licht richtig plant, haben sich in den letzten Jahrzehnten viele kluge Köpfe beschäftigt. Die einflussreichsten Theorien und Konzepte und die wichtigsten Vertreter stellen wir hier vor.

Lichtplanung: Die Grundlagen

Wer Licht gut planen will, muss drei wesentliche Punkte berücksichtigen:

  1. die Architektur, also den Raum und seine strukturellen Elemente,
  2. die Tätigkeit, für die das Licht benötigt wird, sowie 
  3. die Bedürfnisse des Menschen, seine visuellen Erwartungen und Vorlieben.

Zusammenfassen lässt sich das mit der Frage: Wie viel Licht wird zu welchem Zweck an welchem Platz gebraucht?

Beleuchtung im privaten Bereich

Die Beleuchtungsplanung im privaten Bereich reduzieren viele auf ästhetische Aspekte. Hauptsache, die Leuchten sind hübsch anzusehend und hell genug. Das aber ist ein Fehler. Denn Licht kann deutlich mehr: Es trägt entscheidend dazu bei, eine angenehme Stimmung zu erzeugen. Erst im Dialog des Lichts mit Oberflächen, Texturen und Farben entfalten sich die Qualitäten des Raumes. Im kleinen Einmaleins der Lichtplanung zeigen wir euch, worauf ihr achten solltet - und wie vielfältig ihr mit Licht gestalten könnt

Lichtplanung zu Hause

Was muss man bei einem Lichtkonzept für die eigenen vier Wände beachten? Hier verraten wir die wichtigsten Tipps und Tricks der Lichtplanung aus über 100 Jahren Erfahrung mit Licht in der Anwendung.

Beleuchtung am Arbeitsplatz

An einem Arbeitsplatz herrschen andere Voraussetzung: Die Ästhetik rückt in den Hintergrund, wichtiger sind die Produktivität der Mitarbeiter und die Kosteneffizienz der Beleuchtungsanlage. Damit für die jeweilige Tätigkeit optimale Sehbedingungen herrschen, ist zum einen ausreichend viel Licht nötig. Zum anderen spielen Lichtqualität und Ausgewogenheit eine große Rolle.

Eine Beleuchtungsplanung in Büroräumen muss viele Punkte beachten, die zusammen ein komplexes Geflecht von Faktoren ergeben. Dabei sollte man sich nicht auf eine rein technische Perspektive verengen, die Licht auf Kennzahlen wie Beleuchtungsstärke und Leuchtdichte reduziert und ausschließlich die Sehleistung betrachtet.

Das Thema Lichtplanung ist komplex und beinhaltet viele verschiedene Konzepte. Für optimale Ergebnisse braucht es lange Erfahrung. Vor allem darf man neben der Technik auch den Nutzer nicht aus dem Blick verlieren. Denn ein gutes Lichtkonzept trägt entscheidend zum Wohlbefinden der Menschen bei.

Eine weit verbreitete Perspektive sieht Licht in erster Linie als ein Hilfsmittel: Es unterstützt dabei, architektonische Strukturen zu begreifen und die geplante Raumwirkung zu verstehen. Das Licht kann jedoch darüber hinaus einen eigenen, durchaus entscheidenden Beitrag zur Gestaltung leisten.

Tatsächlich hat Beleuchtung immer einen gestaltenden Charakter. Diese Wirkung wird unterschwellig wahrgenommen, indem Licht einen Raum differenziert und akzentuiert. Eine größere architektonische Wirkung geht von den Leuchten und ihrer Integration als architektonisches Element aus. Dabei können Lichtstrukturen, Reihungen von Strahlern oder unauffällig in die Decke integrierte Lichtbänder die Wirkung des Raums gezielt verändern.

Theorie und Konzepte der Lichtplanung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das elektrische Licht erfunden, und schnell setzte sich diese Form der künstlichen Beleuchtung durch. Im Zuge dessen etablierte sich auch die Disziplin der Lichtplanung. Ihr Ziel: Methoden zu entwickeln, nach welchen Kriterien das nun jederzeit verfügbare Kunstlicht eingesetzt werden soll.

Ganz grob lassen sich dabei zwei Paradigmen unterscheiden: Die quantitative Lichtplanung auf der einen, die wahrnehmungsorientierte Lichtplanung auf der anderen Seite.

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Quantitative Lichtplanung

Der Name legt es nahe: Die quantitative Lichtplanung versucht, das Licht berechenbar zu machen. Das erklärte Ziel ist es, eine optimale Sehleistung zu erreichen. Dazu betrachtet man auf einer Nutzungsebene, beispielsweise einem Schreibtisch, die Beleuchtungsstärke. Am so beleuchteten Arbeitsplatz sollen die Produktivität möglichst hoch und das Unfallrisiko möglichst gering sein.

In der Praxis werden die Leuchten meist regelmäßig angeordnet und die Bereiche gleichmäßig ausgeleuchtet. Dieses Verfahren jedoch verengt sich auf die technische Leistung einer Beleuchtungsanlage. Außer Acht gelassen werden, wie Menschen die Situation psychologisch wahrnehmen, wie die Umgebung ästhetisch wirkt sowie der differenzierte Informationsgehalt.

Einen Schritt weiter geht die Leuchtdichtetechnik: Sie erweitert die planerische Analyse auf den gesamten Raum. Der Blick geht weg von der Nutzungsebene hin zur Betrachtung aller Leuchtdichten einer Zone; betrachtet wird nicht nur der einzelne Schreibtisch, sondern auch die Umgebung bis hin zum kompletten Büro.

Zur wichtigsten Kennzahl der Analyse wird die Leuchtdichte. So werden die Helligkeits- und Kontrastverhältnisse in der gesamten Umgebung erfasst, sei es zwischen Sehaufgabe und Hintergrund, zwischen einzelnen Objekten oder zwischen Objekten und ihrem Umfeld. Eine stabile Wahrnehmung tritt nach dieser Lehre dann ein, wenn die Leuchtdichtekontraste bestimmte Werte nicht über- oder unterschreiten und das Auge sich möglichst minimal anpassen muss. Bei instabilen Lagen hingegen treten Blendeffekte auf.

Blendung heißt aber nicht nur hoher Leuchtdichtekontrast. Zusätzlich geht der Informationsgehalt der blendenden Fläche verloren. Nach dieser Definition blendet nicht das durchsichtige Fenster mit Blick auf eine sonnige Landschaft (mit hoher Leuchtdichte), sondern die helle, undurchsichtige Milchglasscheibe, da sie den Informationsfluss unterdrückt.

Es kommt in einer visuellen Situation auf den Informationsgehalt an, der dem Menschen Struktur und Orientierung bietet, und insbesondere darauf, wie schnell sich diese Information erfassen lässt.

Wahrnehmungsorientierte Lichtplanung

Wenn wir verstehen, wie die Strukturen unserer Umgebung und unsere Bedürfnisse zusammenhängen, können wir die Beleuchtung besser planen. Diese Planung berücksichtigt die menschlichen Bedürfnisse und geht über einfache Messwerte hinaus. Wir müssen Kriterien entwickeln, die sowohl die technischen Aspekte der Beleuchtung als auch ihre Wirkung beschreiben.

Dies versucht die wahrnehmungsorientierte Lichtplanung. Während die quantitativen Ansätze eher normativ geprägt sind und den Wahrnehmungsprozess auf eine physikalische Funktionalität reduzieren, versteht die wahrnehmungsorientierte Lichtplanung das Sehen als psychologischen Prozess und den Menschen als aktiven Beobachter, der seine Umgebung auch anhand seiner Erwartungen und Bedürfnisse konstruiert.

Zwei Pioniere der Lichtplanung haben im vergangenen Jahrhundert die Entwicklung geprägt: Richard Kelly und William Lam.

Richard Kelly (1910 – 1977)

Schon in den 1950er-Jahren beschrieb Richard Kelly die unterschiedlichen Funktionen des Lichts bei der Informationsvermittlung. Er definierte aus seinen Forschungen drei grundlegende Formen des Lichts.

  • ambient light - das Licht zum Sehen
  • focal glow - das Licht zum Hinsehen
  • play of brilliance - das Licht zum Ansehen

„Licht zum Sehen“ („ambient light“) umfasst für ihn die Allgemeinbeleuchtung, also die Bereitstellung von Umgebungslicht, um eine einfache Orientierung im Raum und das Erkennen der Objekte zu ermöglichen. Diese Form des Lichts erinnert an die quantitative Lichtplanung.

Offener Ess- und Kochbereich mit gewölbter Holzdecke und zwei TR747 Pendelleuchten aus Birkenholz von Tom Rossau, die über dem Esstisch hängen. Auf dem Esstisch steht eine p.141 Akku-Tischleuchte von prediger.base. Der gesamte Bereich wird von mehreren p.011 Deckenstrahlern von prediger.base in Weiß beleuchtet.
Licht zum Sehen: Die Deckenstrahler p.011 von prediger.base sorgen für gleichmäßiges Umgebungslicht und erleichtern damit Orientierung und Objekterkennung im Raum.

Das „Licht zum Hinsehen“ („focal glow“) differenziert den Raum und erleichtert die Orientierung. Es baut auf dem „Licht zum Sehen“ auf. Dieses Licht wird fokussierend eingesetzt und wird damit aktiv zum Vermittler von Informationen. Durch eine differenzierte Helligkeitsverteilung werden Bereiche hervorgehoben oder zurückgenommen: Eine helle Wand hinter dem Empfangstresen oder ein Strahler, der auf den Hauptausgang gerichtet ist, strukturieren subtil den Raum. Auch das Betonen von Objekten und Waren zählt zu den ordnenden Eigenschaften dieser Form des Lichts.

Licht zum Hinsehen: Lichtakzente betonen bestimmte Bereiche und vermitteln so Struktur. Hier lenken die Deckenstrahler mit ihren gezielt eingesetzten Lichtkegeln die Aufmerksamkeit auf die Bilder.

Die dritte Form, das „Licht zum Ansehen“ („play of brilliance“), drückt aus, dass Licht nicht nur Informationen vermittelt, sondern selbst einen Informationsgehalt enthalten kann, etwa durch Brillanz oder Farbigkeit. Die spiegelnden oder lichtbrechenden Reflexionen an einem Kristallleuchter verleihen einem Raum die subtil erlebbaren Beleuchtungsakzente. Diese Form des Lichts verweist nicht nur auf eine Information im Raum, sondern kommuniziert selbst eine emotionale Stimmung oder psychologische Information.

William Lam (1924 – 2012)

Kellys Analyse ist wegweisend, enthält jedoch noch keine Kriterien, was eine Beleuchtungsanlage leisten muss. Diese formuliert William Lam einige Jahre später, in den 1970er-Jahren. Seine Tätigkeitsanforderungen („activity needs“) decken sich weitgehend mit denen der quantitativen Lichtplanung: Eine funktionale Beleuchtung soll optimale Bedingungen für die jeweilige Tätigkeit schaffen. Dabei fordert er, alle auftretenden Sehaufgaben nach Ort, Art und Häufigkeit zu analysieren.

Wichtiger für Lams Konzept sind jedoch die psychologischen Anforderungen („biological needs“). Während die bewussten Tätigkeiten auf die Funktionalität der Umgebung abzielen, sind psychologische Anforderungen unbewusste Bedürfnisse. Sie sind ausschlaggebend für die emotionale Bewertung einer Umgebung, also für das Wohlbefinden in einer Beleuchtungssituation.

Als erste psychologische Anforderung nennt Lam die eindeutige Orientierung. Das meint zum einen die räumliche Begreifbarkeit, sprich: Ziele im Raum und Wege dorthin. Zum anderen gehört zur Orientierung, dass man die Tageszeit, das Wetter oder das Geschehen in der Umgebung wahrnehmen kann. Fehlen diese Informationen der Umwelt, kann die Umgebung als künstlich und bedrückend empfunden werden. Große Kaufhäuser ohne Fenster wären hierfür ein Beispiel.

Eine weitere psychologische Anforderung ist die Überschaubarkeit und Verständlichkeit der umgebenden Strukturen. Idealerweise ist die Beleuchtung so strukturiert, dass alle Bereiche eines Raumes gut erkennbar sind. Das vermittelt ein Gefühl der Sicherheit. Bei dunklen Bereichen und unübersichtlichen Situationen hingegen entstehen Missstimmungen. Ein Blickpunkt, etwa in Form eines angestrahlten Kunstwerks, kann die Betonung der traditionellen Sehaufgaben aufbrechen und für die nötige Spannung und Entspannung in der visuellen Umgebung sorgen.

Zuletzt nennt Lam noch die Balance zwischen Kommunikation und Privatheit des Menschen. Beide Extreme werden als negativ empfunden. Die räumliche Umgebung sollte einerseits eine Interaktion zulassen und trotzdem private Bereiche bereitstellen.

Lichtberatung als erster Schritt zu gutem Licht

All das zeigt: Beleuchtung ist mehr als eine Leuchte an die Decke zu schrauben, und Licht kann mehr als nur hell sein. Um Licht zu planen und einzusetzen braucht es Fachleute. Auch die LED-Technologie hat das Thema Licht nicht vereinfacht, im Gegenteil: Fehlende Industriestandards und vielfältigere Anwendungen machen Lichtlösungen immer technischer und Expertenwissen immer wichtiger.

Wir empfehlen eine professionelle Lichtberatung als ersten Schritt zum richtigen Licht, ob telefonisch, online oder in einem unserer Showrooms. Alternativ verraten wir euch unsere Tipps und Tricks für die optimale Beleuchtungsplanung in unseren Ratgebern.

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