„Wir erahnen ein riesiges Potenzial an Möglichkeiten für die Zukunft“

Der Blick von Dietrich Brennenstuhl richtet sich stets nach vorn. Er versteht sich als „Andersmacher“ und hat sein 1988 gegründetes Unternehmen Nimbus mit viel Mut zu Innovationen zu einem der bekanntesten deutschen Leuchtenhersteller gemacht. Sein Pioniergeist ist weiterhin ungebrochen. Wie schon Mitte der 2000er Jahre, als Nimbus einer der weltweit ersten Hersteller von LED-Leuchten war, setzt Dietrich Brennenstuhl auch jetzt wieder auf eine zukunftsweisende Idee: kabelloses Licht. Warum? Das erklärt er ausführlich im Prediger-Experteninterview.

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Pioniergeist in Sachen Licht: Dietrich Brennenstuhl ist Architekt, Gründer, Inhaber und Geschäftsführer der Nimbus Group aus Stuttgart, die seit kurzem voll und ganz auf das Thema kabelloses Licht setzt. Foto: Nimbus Group

Prediger Lichtberater: Herr Brennenstuhl, Sie empfinden das Stromkabel einer Leuchte als störend. Warum eigentlich?

Dietrich Brennenstuhl: Auch ein Telefon war bis in die 80er Jahre hinein nicht ohne Kabel beziehungsweise ohne Telefonschnur vorstellbar. Natürlich war die Erfindung des Telefonapparates an sich eine geniale Sache, die viele Freiheitsgrade mit sich brachte. Aber das Telefonieren war lange Zeit mit der Ortsgebundenheit durch das Kabel verbunden – aus heutiger Sicht eine große Einschränkung. Es gab dann sehr lange Kabel, die zeitweise quer durch die Wohnung gespannt und in Türen eingequetscht waren, um das eine oder andere „geheime“ Gespräch im eigenen Zimmer zu führen. Dann kam in den 80ern das erste schnurlose Haustelefon und ist seither nicht mehr wegzudenken. Der nächste Schritt war dann das Mobile Phone mit all seinen Zusatznutzen, die vor 20 Jahren unvorstellbar waren. Natürlich funktioniert eine Leseleuchte mit Kabel. Um den Komfort zu erhöhen, lässt man beim Neubau und der Sanierung gerne fünf Steckdosen oder mehr pro Raum installieren, um in Folge die Lese oder Stehleuchte dort positionieren zu können, wo man diese dann auch wirklich braucht. Nur ist auch eine Couch heute in vielen Fällen zur Sitz- und Liegelandschaft gewachsen und oft einige Meter lang.

Wo steht jetzt die Leseleuchte? Und wenn ich diese doch an meinem Lieblings-Lounge Chair brauche?

Steh- und Leseleuchten zeichnen sich meist durch eine hohe Standhaftigkeit und ein hohes Gewicht aus, was wiederum die Beweglichkeit auch bei multipler Steckdosenverfügbarkeit und XXL-Kabel unbequem macht. Also bleibt die Leuchte stehen, wo sie steht und der Mensch rückt zum Licht. Mit dieser Einschränkung zu brechen und das Licht genau dahin zu stellen, wo es gerade gebraucht wird, führt zu einem anderen Umgang mit dem Gewohnten – übrigens ein schöner Begriff im Zusammenhang mit Wohnen – und lässt einen die eigenen vier Wände neu erleben.

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Licht – überall dort, wo es gebraucht wird. Und zwar ohne störendes Kabel. Mit den akkubetriebenen Leuchten des deutschen Markenherstellers Nimbus ist das überhaupt kein Problem. Foto: Frank Ockert / Nimbus Group

Prediger Lichtberater: Wann und wo kam Ihnen die Idee, dass eine Tisch- oder Leseleuchte auch ohne Zuleitung funktioniert?

Dietrich Brennenstuhl: Der Wunsch nach kabellosem Licht treibt mich schon seit vielen Jahren um. Schon in meiner Zeit als planender Architekt schien das Vordenken einer wirklich dauerhaft sinnvollen Leuchtenanordnung im Privatbereich immer kompromissbehaftet. Der Kabelauslass, der heute richtig ist, stellte sich schon ein Jahr später als unsinnig heraus. Die energieeffiziente LED-Technologie hat dem kabellosen Licht ein neues Tor geöffnet. Nur auf die Frage des lästigen Nachladens hatte ich noch keine überzeugende Antwort – bis ich dann ein Schlüsselerlebnis hatte: Beim Bau eines Baumhauses für meine Kinder hatte ich zwei Wochen lang intensiven Kontakt mit akkubetriebenem Werkzeug. Nicht nur hochleistungsfähige Bohrmaschinen, Akkuschrauber, ebenso Elektrosäge, Winkelschleifer usw. machten mir die Arbeit ohne lästiges Kabeltrommelgewirr sehr einfach. Und das Nachladen der Wechsel-Akkus wurde sofort zur Routine. Ein unglaublicher Mehrwert und Freiheitsgrad mit dem kleinen Zugeständnis des Nachladens.

Prediger Lichtberater: Beschreiben Sie kurz den Entstehungsprozess Ihrer Akkuleuchten. Wie lange haben Sie gebraucht, um die neuen Nimbus-Leuchten zur Marktreife zu bringen und wo gab es bei der Entwicklung die größten Probleme?

Dietrich Brennenstuhl: Die Roxxane Fly hatten wir bereits 2014 kunterbunt auf unserem Messestand zur Light + Building präsentiert, um mit unseren Kunden ins Gespräch zu kommen. Die positive Resonanz hat uns dazu bewogen, die Roxxane Fly marktreif zu entwickeln und Mitte 2015 in den Handel zu geben. Unsere Erfahrungen, die wir dabei im Bereich der Elektronik und Akkusteuerung sammelten, sind alle in die „große Schwester“, die Lese- und Tischleuchte Roxxane Leggera, eingeflossen. Hier konnten wir sowohl die Akkulaufzeit als auch das Thema Ladekomfort nochmals deutlich verbessern. Beides nutzerfreundlich umzusetzen, war eine der großen Herausforderungen während der Entwicklung.

gajshdgajhsgdjahsd. Foto: Gordon Koelmel / Nimbus Group

Die kompakte Roxxane Fly war die erste akkubetriebene Leuchte, die Hersteller Nimbus im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht hat. Ein echtes Lichtwunder für die Hosentasche. Foto: Gordon Koelmel / Nimbus Group

Prediger Lichtberater: Ist die Entwicklung der kabellosen Leuchten jetzt abgeschlossen? Oder was könnte in Zukunft noch verbessert werden?

Dietrich Brennenstuhl: Mit der Entwicklung stehen wir erst am Anfang. Wir haben hier die Tür einen Spalt breit aufgestoßen und erahnen ein riesiges Potenzial an Möglichkeiten für die Zukunft. Ebenso wie die LED-Effizienz wird sich das Thema Akku in Bezug auf Leistungsdaten, Herstellbarkeit und Recycling immer weiter verbessern. Das hilft, um diese Idee voranzutreiben und dafür eine breite Zustimmung zu finden.

Prediger Lichtberater: Die kompakte Roxxane Fly war die erste akkubetriebene Leuchte aus dem Hause Nimbus. Nun gibt es mit der Roxxane Leggera 101 CL und der Roxxane Leggera 52 CL weitere Leuchten ohne Stromkabel. Welche Modelle sind für die Zukunft geplant, und wann sollen diese erhältlich sein?

Dietrich Brennenstuhl: Im Herbst wird die auf der Light + Building 2016 vorgestellte Winglet Wandleuchte auf den Markt kommen. Dieser Leuchtentyp setzt noch einmal neue Maßstäbe beim kabellosen Licht – das heißt, ohne Installationsaufwand werden die Wandleuchten genutzt und überall positioniert, wo man sie benötigt. Anfang des Jahres 2017 folgt dann die Pendelleuchte Gravity: eine Deckenpendelleuchte ohne Kabelauslass, die an jeder Stelle im Raum platzierbar ist. Weitere Leuchten sollen folgen.

Prediger Lichtberater: Warum sind Sie davon überzeugt, dass akkubetriebene Beleuchtung die Zukunft des Lichts darstellt?

Dietrich Brennenstuhl: Ob wir in der Zukunft gänzlich auf kabelbetriebene Leuchte verzichten können, weiß ich nicht. Ich bin jedoch sicher, dass ganz neue Anwendungen im Umgang mit Licht stattfinden, die bei intelligenter Umsetzung auch zum effizienteren Umgang mit Energie beitragen.

Allein die Tatsache, dass ich einen Akku habe, der die Leuchte umso länger leuchten lässt, je sparsamer ich ihn einsetze, hält zum bewussten Umgang mit der Leuchte an.

Unsere elektronischen „Helferlein“, das heißt Sensoren, unterstützen den energieeffizienten Umgang mit Licht.

Prediger Lichtberater: Welche Vorurteile gegenüber Akkuleuchten hören Sie immer wieder und mit welchen Argumenten überzeugen Sie die Skeptiker von kabellosem Licht?

Dietrich Brennenstuhl: Die erste Frage, die gestellt wird: Wie lange leuchtet die? Wenn wir dann sagen zehn bis 100 Stunden, also etwa ein bis zwei Wochen, und den lässigen Ladevorgang zeigen, lösen sich viele Bedenken auf. Spätestens dann, wenn die Roxxane Leggera in die Hand genommen wird, kommt die überraschende Erkenntnis: „Ohhh – ist die leicht, die kann ich ja überall hintragen!“

Prediger Lichtberater: Vor etlichen Jahren haben Sie mit Nimbus die weltweit erste LED-Stehleuchte auf den Markt gebracht. Jetzt sind Sie erneut einer der ersten Hersteller, der auf akkubetriebene Beleuchtung setzt. Woher kommt so viel Pioniergeist?

jsadhkjahsaskf. Foto: Nimbus Group

Dietrich Brennenstuhl im Nimbus Mock Up.

Dietrich Brennenstuhl: Das entspringt der Freude und Faszination an neuen Wegen. Natürlich verbessern wir auch permanent unsere vorhandenen Produktlinien. Aber neue Wege einzuschlagen, an deren Anfang viele Unwägbarkeiten und auch Unverständnis zu überwinden ist, lässt einen das Leben spüren. Und es ist faszinierend zu sehen, wie anfängliche Widerstände brechen und Skeptiker aus dem Wettbewerbsumfeld zu wilden Verfechtern des neuen Weges mutieren. Das durften wir bereits 2006 bei unserer Einführung der LED-Technologie als Pionier erfahren.

Prediger Lichtberater: Auf welche Innovationen aus dem Hause Nimbus dürfen sich die Kunden nach LED- und kabellosen Leuchten freuen? Vielleicht auf eine Nimbus-Leuchte mit OLED-Technologie?

Dietrich Brennenstuhl: Unsere Research-Abteilung arbeitet unter anderem stark interdisziplinär mit anderen Industriebereichen im Zuge von spannenden Forschungsprojekten. Da entstehen Ansätze, die ich anfänglich selbst kaum verstehe. Also keine Sorge, uns gehen die Idee niemals aus.

Prediger Lichtberater: Es gibt nicht wenige Experten, die die Zukunft von Licht und Beleuchtung eher in ganzheitlichen Lichtlösungen und weniger in einzelnen Design-Leuchten sehen. Wie meistert Nimbus die enormen Herausforderungen, die das Unternehmen in einem immer dynamischeren Licht- und Leuchtenmarkt bewältigen muss?

Dietrich Brennenstuhl: Wir sehen uns nicht als ein Design-Leuchtenhersteller. Das wäre eine sehr einseitige Betrachtungsweise. Dass unsere Leuchten Gestaltungsqualitäten haben, ist wohl richtig. Dahinter steckt aber ein ganzes Paket an Elektronik-Know-how – und Elektronik wird auch unsere Zukunft maßgeblich bestimmen. Ganzheitliche Lösungen der Zukunft schließen gutes Design nicht aus – im Gegenteil. Bei uns werden die Leuchten immer ein gutes Design mit einer hervorragenden Detailqualität haben, gerade darüber wird ja vieles transportiert und das ist daher nicht zu unterschätzen.

Prediger Lichtberater: Erklären Sie uns zum Abschluss noch, wann bzw. wo Sie zum ersten Mal mit dem Thema Licht in Berührung gekommen sind und was für Sie die Faszination von Licht ausmacht.

Dietrich Brennenstuhl: Das Faszinierende war wohl immer für mich, dass das Licht so ungreifbar ist. Schon als kleiner Junge haben mich die aufgehende Morgensonne und das Versinken der Abendsonne am Horizont völlig in den Bann gezogen. Auch zu begreifen, dass der Mond nur durch das Sonnenlicht erleuchtet wird, war für mich als Kind eine unglaubliche Offenbarung. Was also tun, um dem Licht näherzukommen? Schon damals war mir klar: Entweder man wird Astronaut oder baut sich sein Leuchten-Universum selbst zusammen…

Gravity Pendelleuchte. Foto: Nimbus Group

Die akkubetriebene Pendelleuchte Gravity CL wird über hauchdünne Drahtseile an der Decke befestigt. Sie spendet bis zu 100 Stunden Licht und soll ab Anfang 2017 lieferbar sein. Foto: Frank Ockert / Nimbus Group

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