Pablo Pardo: „Gutes Design kennt keine Grenzen”

Als Pablo Pardo vor 25 Jahren seine Firma Pablo Designs in San Francisco gründete, setzte er von Anfang an auf ebenso zeitlose wie auch nachhaltige Entwürfe, die immer auf dem neusten Stand der Technik waren. Und es bis heute sind. Wobei das Licht dabei immer und konsequent im Vordergrund steht. Mit dieser Herangehendweise ist es dem in Venezuela geborenen Industriedesigner gelungen, als einer der wenigen US-amerikanischen Hersteller auch den europäischen Markt zu erobern. Zum 25-jährigen Firmenjubiläum haben wir uns mit Pablo Pardo über dessen Design- und Technologieansprüche sowie über die Zukunft des Leuchtendesigns unterhalten.

Pablo Pardo, Pablo Designs, Prediger Lichtjournal

Licht ist seine Leidenschaft: Designer Pablo Pardo. Alle Fotos: Pablo Designs

Auf dem europäischen Markt findet man kaum Leuchtenhersteller aus den Vereinigten Staaten. Pablos Designs ist da eine der seltenen Ausnahmen. War es für Sie schwierig, hier mit Ihren Leuchten Fuß zu fassen?

Ja, in Europa findet man tatsächlich nur sehr wenige US-amerikanische Leuchtenhersteller. Sie können mit Fug und Recht behaupten, dass es bei uns 25 Jahre gebraucht hat, bis wir ein Produkt hatten, dass stark genug war, um in Europa bestehen zu können. Der europäische Markt ist für unsere Geschäfte eine viel größere Herausforderung, weil hier sehr viele Nationalitäten involviert sind, die jeweils eigene spezielle Lichtbedürfnisse, Anforderungen und kulturelle Einflüsse haben. Wir haben aber das Gefühl, dass unsere Leuchtendesigns dazu sehr gut passen. Europa verlangt Produkte, die innovativ sind, eine Vision haben und hochwertig sind. Das ist zum Glück seit jeher die Basis unseres Schaffens gewesen, sodass wir genau all diese Faktoren während unseres Produktionsprozesses bedenken.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum man in Europa – und vor allem in Deutschland – nicht mehr US-amerikanische Leuchtenhersteller findet?

Um in Europa wettbewerbsfähig zu sein, muss das Designlevel auf dem allerhöchsten Niveau sein. Traditionell legen US-amerikanische Leuchtenhersteller aber mehr Wert auf ein hohes Verkaufsvolumen und darauf, was für einen Kostenaufwand Innovation und hochqualitatives Design mit sich bringen. Die meisten amerikanischen Leuchtenfirmen können deswegen ganz einfach nicht mit einem Markt mithalten, der sich bereits mit den weltweit innovativsten Leuchtenherstellern rühmen kann. Wir hingegen begrüßen genau diese Herausforderung, denn schließlich teilen wir viele der Werte, die europäische Unternehmen groß gemacht haben. So glauben wir zum Beispiel an die Idee, Designs von Zeit zu Zeit zu verfeinern und zu verbessern, um sichergehen zu können, dass sie relevant bleiben, statt sie einfach nur durch etwas anderes zu ersetzen. Das zum Beispiel ist eine weitaus deutschere als eine amerikanische Herangehensweise.

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Pablo Pardo und sein Design-Team.

Brauchen wir hier in Deutschland mehr US-amerikanische Leuchtendesigns?

Ich denke, dass es keine Frage nach mehr US-amerikanischen, sondern gutem Leuchtendesign generell ist. Gutes Design kennt keine Grenzen. In Europa gibt es bereits fantastische Designs, die aus Skandinavien, Deutschland, Italien und Spanien kommen. Unser Design wird hingegen eher davon beeinflusst, dass wir in einem der kreativsten Gebiete der Welt arbeiten und leben, nämlich in der kalifornischen San Francisco Bay Area. Viele der revolutionären Ideen und Geschäftsmodelle aus diesem Gebiet hatten einen transformativen Einfluss auf die Welt – von technologischen Produkten bis hin zu der Art und Weise, wie wir inzwischen kommunizieren. Wir sind tatsächlich stolz darauf, aus San Francisco zu kommen, aber noch stolzer sind wir darauf, dass wir von hier aus der Weltgemeinschaft mit unseren Designs, an die wir glauben, dienen dürfen.

Lassen Sie uns über Licht reden. Warum haben Sie sich darauf konzentriert, Leuchten zu entwerfen – und nicht etwa zum Beispiel Möbel?

Eine sehr gute Frage! Viele Menschen wissen nicht, dass ich Pablo Designs 1993 als Firma für Leuchten und Wohnaccessoires gegründet habe. Von der Leuchte über Altpapierbehälter, Tischen und Flurspiegel bis hin zu Bilderrahmen habe ich alles designt. Einige dieser Designs sind sogar heute noch auf dem Markt. Wie dem auch sei, nach fünf Jahren mit diesem Kategoriemix waren es unsere Leuchten, die die Zukunft unseres Unternehmens immer mehr zu prägen begannen und die uns auch bei den Kunden immer bekannter machten. Zugleich wurde mir klar, dass wenn ich richtig gute Leuchte entwerfen will, ich mich komplett auf diesen Bereich konzentrieren muss. Das war eine gute Entscheidung. Wer heutzutage als Leuchtendesigner erfolgreich sein will, der muss mehrere Aufgaben übernehmen können. Nämlich die eines Designers und die eines Ingenieurs. Man muss mit dem technologischen Fortschritt mithalten können. Sonst läuft man Gefahr, irrelevant zu werden.

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Bei der Lim360 trifft avantgardistisches Design auf hohe Funktionalität.

Was ist für Sie wichtiger: die Form oder die Funktion?

Wir sind Glaubensschüler von Dieter Rams Designphilosophie, nach der die Funktionalität über allem anderen steht. Ein gutes Designs muss so wie gedacht funktionieren und anwendbar sein und es sollte alle essentiellen Charakteristiken der „weniger ist mehr“-Ideologie in sich tragen. Wir nehmen die Designtätigkeit sehr ernst und fragen uns ständig selbst, ob ein bestimmtes Design gut genug ist, um existieren zu dürfen.

Und welche Bedeutung hat das Licht für Sie und Ihre Designer?

Das Licht sollte das grundlegende Ziel für die Existenz eines Designs sein. Heutzutage haben wir die unglaubliche Chance, den Menschen zu erforschen, um so besser verstehen zu können, wie wir unseren Alltag mit Licht optimieren können. Wir leben in revolutionären Zeiten, in denen Technologie unsere Gewohnheiten einfangen kann und uns zugleich erlaubt, eine intimere und transformativere Beziehung mit Licht einzugehen. Damit können wir mehr mit unserer inneren Uhr im Einklang leben und lernen, unsere natürliche Lichtumgebung mit mobilem sowie statischem Licht nachzubilden. Wir können glücklicher und zufriedener werden, wenn gutes Design auf Licht angewendet wird. Das Objekt sollte so gestaltet sein, dass sein ganzes Streben allein darauf hinausläuft, ein perfektes Gefäß für das Licht zu sein. Es sollte ehrlich und unaufdringlich sein, damit das Licht selbst die Führung übernehmen kann.

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Die Verwendung von natürlichen Materialien ist bei Pablo Designs eine Selbstverständlichkeit – wie etwa Holz bei der Clamp.

Sie arbeiten verstärkt mit Naturmaterialien wie Holz und Filz…

Premiummaterialien sind essentiell, um die Nutzererfahrung zu erhöhen. Außerdem können sie, wenn sie sorgfältig ausgewählt werden, eine einzigartige Anwendungscharakteristik haben, wenn sie mit Licht kombiniert werden. Wir überlegen ständig, wie man Materialien bestmöglichst nutzen kann. Das ist ein integraler Bestandteil unseres Designprozesses zu Beginn eines jeden Projekts.

Bei Pablo Designs wird auch Umweltschutz groß geschrieben. Werden darum einige Ihrer Designs, wie etwa die Leuchtenfamilie Brazo, aus recyceltem Material hergestellt?

Wir achten sehr darauf, Materialien zu verwenden, die entweder recycelbar sind oder zum Teil sogar aus recyceltem Material bestehen. Als Diener unserer Umwelt glauben wir fest daran, dass Designer für ihre Entscheidungen über die Lebensdauer eines Produktes hinaus verantwortlich sind. Wenn wir Produkte mit einer langen Lebensdauer designen, ist das unserer Meinung nach der beste Weg, um unsere Umwelt zu schützen. Wir versuchen, unsere Produkte so zu entwerfen, dass sie mindestens zehn Jahre oder mehr halten. Viele unserer ersten Designs, die wir vor mehr als zwanzig Jahren entworfen haben, werden auf dem Markt nach wie vor stark nachgefragt, weil sie alle eine hervorragende Qualität haben und den Zeichen der Zeit standhalten, weil sie nicht jedem Trend hinterherlaufen. Wir hoffen, dass die Menschen mit der Zeit unsere Designs deswegen sammeln werden.

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Die Brazo wird aus recyceltem Material hergestellt.

All Ihre Kreationen nutzen LEDs und haben einen hohen technischen Standard. Ist das auch einem Umweltaspekt geschuldet?

In all unseren neuen Designs sind LEDs mit dem aktuell höchsten technischen Standard verarbeitet. Wenn wir ein neues Produkt entwerfen, müssen wir im Hinterkopf haben, dass es zu Lebzeiten einer Leuchte zu technischen Fortschritten kommen wird. Deswegen muss es möglich sein, die Leuchte der neuen Technik anzupassen, ohne sie gleich komplett verändern zu müssen. Bleiben wir als Beispiel bei der Brazo, die seit 2007 fünf LED-Upgrades durchlaufen hat, damit wir unseren Kunden die beste Performance und die beste Lichtqualität anbieten können. Wer vor elf Jahren eine Brazo Leuchte gekauft hat, kann sich jetzt eine neue LED-Kartusche von uns liefern lassen, um die alte zu ersetzen. Denn seit damals hat sich die LED-Lichtleistung verdreifacht. Außerdem haben sich Effektivität und Farbwiedergabe von LEDs seit damals erheblich verbessert und kommen nun viel näher an natürliches Licht heran.

Mit Contour oder auch Uma haben Sie multifunktionale Leuchten entworfen, die nicht nur ein fantastisches Licht machen, sondern die auch noch als Regal verwendet werden können oder als Musiklautsprecher dienen. Sind solche Leuchten Ihrer Meinung nach die Zukunft?

Es steht außer Frage, dass technologische Entwicklungen dem innovativen Design zugleich neue Möglichkeiten eröffnen. Schließlich muss neuartiges Design immer Hand in Hand mit der Technik gehen. Meiner Meinung nach werden in Zukunft verschiedene Bereiche mehr und mehr zusammenwachsen. Es werden Hybrid-Designs entstehen, die in der Anwendbarkeit dann noch nützlicher sind als jetzt. Ich sehe eine Zukunft, die noch modularer ist, mit mehr systemischen Designs, die sich gegenseitig ergänzen, sodass man damit für unzählige Anwendungsgebiete vielfältige Lösungen möglich sind. Flexibilität, Konnektivität und Anpassungsfähigkeit werden wichtiger denn je sein.

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Die Contour ist nicht nur Leuchte, sondern kann auch als Regal genutzt werden.

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