Midgard: Traditionsmarke mit Pioniergeist

Innovative Leuchten "Made in Germany": Curt Fischer gilt als Pionier des lenkbaren Lichts. 1923 rief der Ingenieur die Marke Midgard ins Leben, die bis heute mit Einfallsreichtum punktet.

Die nachhaltige AYNO-Leuchte ist als Standleuchte, Tischleuchte und Wandleuchte erhältlich. (Foto: Midgard)

Ab 1919 entwickelte Curt Fischer die ersten beweglichen Arbeitsleuchten mit lenkbarem Licht. Rund vier Jahre danach begann er mit der Produktion seiner Leuchten, für die er zuvor die Marke Midgard ins Leben gerufen hatte. Im Jahr 2015 übernahmen die Hamburger David Einsiedler und Joke Rasch das traditionsreiche Unternehmen. Unter ihrer Leitung entstehen aktuelle Neuentwicklungen sowie Neuauflagen bedeutender Leuchten.

Beleuchtung mit lenkbarem Licht

Elektrisches Licht, das sich ausrichten ließ und Arbeitsplätze dadurch schattenfrei beleuchten konnte, war eine echte Innovation zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1919 entwickelte Curt Fischer die ersten beweglichen „Lenklampen“ für sein Unternehmen im thüringischen Auma. Daher gilt der Ingenieur als Pionier und Erfinder des lenkbaren Lichts. Unter der von ihm begründeten Marke Midgard begann ab 1923 die Produktion seiner mit nur einer Hand einstellbaren Leuchten für besonders effektive Lichtnutzung. Aus dem Kontext der Werkhalle wanderten sie rasch auch ins Büro und in Wohnräume. Fischer erweiterte das Midgard-Portfolio kontinuierlich, beispielsweise um das Leuchtensystem Midgard modular. Zudem perfektionierte er Gelenke und Schirme seiner Leuchten, oftmals begleitet von Patenten.

Midgard-Leuchten am Bauhaus

Durch seine neuartigen, gut gestalteten Lichtquellen erregte Fischer Aufsehen in der Architektur- und Designszene der 1920er-Jahre. Er stand in brieflichen Kontakt mit Walter Gropius und belieferte das Bauhaus in Dessau. In der Stuttgarter Werkbundsiedlung 1927 waren seine Leuchten ebenso zu sehen wie auf der Berliner Bauausstellung 1930. Midgard-Leuchten wurden unter anderem in Ateliers oder Wohnungen der Bauhaus-Direktoren Walter Gropius, Hannes Meyer sowie Ludwig Mies van der Rohe genutzt. Bauhausmeister wie Lyonel Feininger, Marcel Breuer und Gunta Stölzl schätzten sie ebenso wie Wilhelm Wagenfeld und Marianne Brandt, die selbst bedeutende Leuchten entwarfen. Viele avantgardistisch orientierte Kreative aus Architektur, Typografie, Film und Tanz begeisterten sich bereits in den 1920er-Jahren für Leuchten der Marke Midgard.

Die Pendelleuchten der K831-Serie sind in zahlreichen Ausführungen mit unterschiedlichen Oberflächen erhältlich. (Foto: Midgard)

Neustart der Marke in Hamburg

Die Hamburger David Einsiedler und Joke Rasch übernahmen das Unternehmen 2015 von der dritten Generation der Familie Fischer, restrukturierten es und lassen Midgard-Leuchten bis heute ausschließlich in Deutschland produzieren. Unter ihrer Leitung entstehen innovative neue Leuchten wie die mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Design ausgezeichnete AYNO von Stefan Diez sowie Neuauflagen bedeutender historischer Leuchten, die allesamt heutigen Ansprüchen an Funktion, Design und Lichttechnik entsprechen.

Fertigung mit Originalwerkzeugen

2017 legte Midgard die Maschinenleuchte von Curt Fischer neu auf, ein modulares und frei konfigurierbares System. Auch die Federzugleuchte, die unter Verwendung von Originalwerkzeugen nun wieder hergestellt wird. 2019 erschien die am Bauhaus verwendete Leuchte Typ 113 als limitierte Reedition unter Verwendung von Originaltechniken und -Materialien. Nach der Pendelleuchte K831 kommt Ende des Jahres 2022 die Schwenkleuchte K830 wall neu auf den Markt, entworfen 1931 von Designer Werner Glasenapp.

Das Portfolio von Midgard heute

Das aktuelle Programm von Midgard umfasst unter anderem diese Leuchtenserien:

Flexibel und nachhaltig: Die Leuchten der AYNO-Familie sind vielseitig einsetzbar. (Foto: Midgard)

AYNO: Innovativ, nachhaltig und ikonisch

Mit der AYNO entwarf Industriedesigner Stefan Diez die erste neue Midgard-Leuchte seit den 1950er-Jahren. Die Innovationskraft dieser neuen Leuchtenfamilie entspricht ganz der Tradition des Unternehmens als Hersteller mit Pioniergeist. AYNO greift die Konstruktionsideen Curt Fischers auf und übersetzt sie, auf das Wesentliche reduziert, mit hohem gestalterischen Niveau in die Gegenwart. Das zentrale Merkmal der Familie aus Bodenleuchten, Tischleuchten und Wandleuchten ist ein Stab aus Fiberglas, der durch das Leuchtenkabel zu einem Bogen gespannt wird. Die Eigenspannung des Stabes sorgt dafür, dass die Leuchte ganz ohne Gelenke auskommt. Allein durch das Verschieben der beiden Verstellringe an Fuß- und Kopfteil wird der flexible Stab der AYNO in die gewünschte Position gebogen und das Licht dahin gerichtet, wo es gebraucht wird. Der Radius des Bogens lässt sich durch die Ringe beliebig variieren, die Feinjustierung erfolgt über den schwenkbaren Leuchtenschirm mit integrierter LED.

Zum Konzept gehört, dass die Leuchten dieser Kollektion sehr leicht sind und aus wenigen Bauteilen bestehen. Sie sind aus den drei Materialien Stahl, Fiberglas und Kunststoff gemacht und können daher sortenrein recycelt werden. Lange Liefer- und Transportketten vermeidet Midgard, indem der Hersteller die Komponenten weltweit auf lokalen Märkten eingekauft, statt vollständig montierte Leuchten rund um den Globus zu schicken. Zudem ist die AYNO eine der ersten LED-Leuchten, die der Anwender selbst werkzeugfrei reparieren und so ihre Lebensdauer verlängern kann. Aus diesen Gründen wurde die Midgard-Familie 2021 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Design als Vorreiter ausgezeichnet.

Lenkbare Pendelleuchten: Der Schirm der K831-Edition ist ausrichtbar. (Foto: Midgard)

K831: Pendelleuchte mit lenkbarem Licht

Die Reedition der Pendelleuchte K831 basiert auf einem seltenen Entwurf aus den 1930er-Jahren. Ihr frei schwenkbarer Schirm ermöglicht es, den Lichtkegel flexibel in alle Richtungen auszurichten. Alle Einzelteile dieser Midgard-Leuchte werden in Deutschland hergestellt und in Hamburg montiert. Den Leuchtenkopf gibt es aus massivem Kupfer oder Aluminium, aus pulverbeschichtetem Aluminium sowie in einer Variante mit emaillierter Oberfläche. Zudem kann der Schirm in der Höhe stufenlos verstellt werden, ein Gegengewicht am Kabel ist mit dem Schirm ausbalanciert.

Archetyp der Schreibtischbeleuchtung: Der Entwurf der Federzugleuchte ist in den 1950er-Jahren perfektioniert worden. (Foto: Midgard)

Federzugleuchte: Archetyp der Schreibtischbeleuchtung

In den 1950er-Jahren perfektionierte Midgard den archetypischen Entwurf der Leuchte mit Federzugspannung. Die sogenannte Federzugleuchte wird bis heute mit den originalen Werkzeugen vollständig in Deutschland produziert. Es gibt sie in vier Varianten: als Klemmleuchte, als Tischleuchte und als Stehleuchte sowie mit einem Adapter für Bürotischsysteme. Die Leuchten sind in den Standardfarben Weiß oder Schwarz erhältlich.

Midgard modular: Modernes und vielseitiges Lichtsystem

Unter der Leitung von Curt Fischer wurden bei Midgard die Modelle Typ 113 und 114, mit denen unter anderem viele Räume des Bauhaus Dessau ausgestattet waren, im Laufe der 1920er-Jahre zu einem modularen Lichtsystem für den privaten wie öffentlichen Bereich weiterentwickelt. Das System ist frei konfigurierbar und besteht aus Komponenten für die Nutzung an Wand und Decke, als Bodenleuchte sowie auf dem Tisch. Durch unterschiedliche Armlängen, Schirmformen, Halterungen und eine feine Farbenauswahl können mit diesem Baukasten höchst individuelle Leuchten entstehen.

Lenkbares Licht mit Leuchten aus Hamburg: Die Modular-Serie des Herstelles Midgard überzeugt durch Vielseitigkeit. (Foto: Midgard)