LDM: „Wir sehen unsere Leuchten als große Schmuckstücke“

Seit drei Jahrzehnten fertigt LDM seine Leuchten in der eigenen Manufaktur in Pforzheim. Geschäftsführer Jürgen Glauner sprach mit uns über die Firmenphilosophie, Knowhow vor Ort und ein verschobenes Jubiläum.

Jürgen Glauner, Geschäftsführer von LDM, umgeben von Leuchten aus seinem Hause. (Foto: LDM)
„Wir sehen uns als Problemlöser." Jürgen Glauner, Geschäftsführer von LDM, umgeben von Leuchten aus seinem Hause. (Foto: LDM)

LDM ging 1991 an den Start. Die drei Buchstaben des Firmennamens stehen für „Licht Design Manufaktur”. Der Hersteller mit Sitz im baden-württembergischen Pforzheim hat über die Jahrzehnte nicht nur seine eigene Designsprache entwickelt. Besonderen Wert legt LDM auch auf lokale und regionale Produktion sowie die Integration neuester Technologien. Wir sprachen mit LDM-Geschäftsführer Jürgen Glauner über die vergangenen 30 Jahre und was man künftig aus Pforzheim erwarten darf.

Prediger Lichtjournal: Was ist die Designphilosophie von LDM?
Jürgen Glauner: Die Designphilosophie folgt unserem Leitspruch: Konzentration auf das Wesentliche. Für mich ist es die konsequente Fortsetzung von „form follows function“. Wir konzentrieren uns auf die Funktion unserer Produkte, auf das Licht und wie es an die richtige Stelle kommt. Wie kann ich Licht bündeln, wie kann ich ein Produkt drehbar machen, fokussieren, wie kann ich es dimmen, was für Funktionalitäten gibt es? Dazu gehört auch: Wie montiere ich die Leuchten in den unterschiedlichsten Raumsituationen, wie kann ich sie anpassbar machen? Daraus ergibt sich dann die Modularität von LDM, das ist eigentlich der wichtigste Punkt in unserer Produktlinie. Wir können fast alle Produkte wie in einem Baukasten miteinander kombinieren. Das Design selbst, das sich aus der Funktion ergibt, ist geradlinig, sehr reduziert, sehr zurückhaltend, und soll sich harmonisch in den Raum einfügen.

Prediger Lichtjournal: Modularität ist ein aktueller und moderner Ansatz. Seit wann verfolgt LDM diesen Ansatz?
Jürgen Glauner: Schon immer. Wenn ich mich an unseren ersten Messeauftritt 1994 zurückerinnere, waren die damaligen Produkte schon komplett modular ausgelegt. Egal ob es eine Pendelleuchte war, ein Schienensystem oder was auch immer. Dieser Punkt begleitet uns von Anfang an. Wir wollen nicht nur eine einzelne Leuchte herstellen, sondern immer das Gesamte sehen.

„Ein großes Knowhow in Sachen Fertigungstechnik, Feinwerktechnik und vieles mehr“

Prediger Lichtjournal: LDM residiert in Pforzheim. Was sprach und spricht auch heute noch für diesen Firmensitz?
Jürgen Glauner: Pforzheim ist in Deutschland der Stammsitz der Schmuck- und Uhrenindustrie. Aus Pforzheim kommen viele große Marken in diesem Bereich. Insofern hat die Stadt auch ein großes Knowhow in Sachen Fertigungstechnik, Feinwerktechnik, Galvanotechnik, Oberflächentechnik und vieles mehr. Aus dieser Tradition kommen wir: Wir sehen unsere Leuchten als große Schmuckstücke. Wir sind ja ein Hersteller, der zu fast 100% alle Bauteile in Deutschland produzieren lässt, die Endmontage wird hier im Werk durchgeführt. Auch das hat von Anfang an eine große Rolle für uns gespielt: Nachhaltigkeit im Produktionsprozess mit regionalen Partnern. Viele holen allmählich ihre Produktionsketten wieder nach Deutschland, wir hatten sie immer hier. Wenn ich will, bin ich in 20 Minuten bei unseren Partnern, und wenn es ein Problem geben sollte, können wir das gemeinsam besprechen. Gleichzeitig gibt es auch Flexibilität, wenn ein Kunde mal etwas Außergewöhnliches möchte. Wir versuchen auch bei Bauteilen, für die es in Deutschland keine Zulieferer gibt, zunächst ins benachbarte europäische Ausland zu gehen. Glashütten zum Beispiel gibt es in Deutschland nicht mehr, wir greifen dann auf Lieferanten aus Tschechien oder Italien zurück.

Zurückhaltende, reduzierte Designsprache: Ein Blick in die LDM-Ausstellung im Prediger-Showroom Düsseldorf. (Foto: Prediger Lichtberater)

Prediger Lichtjournal: 1991 wurde das Unternehmen gegründet. Was waren die Höhepunkte dieser drei Jahrzehnte?
Jürgen Glauner: Rückblickend sicherlich die erste Messe 1994, die damals noch Frankfurter Herbstmesse hieß, auf der wir zum ersten Mal die eigenen Leuchten der Öffentlichkeit präsentiert haben. Der nächste Meilenstein war die erste Deckenschiene im Niedervolt-Halogenbereich, die wir entwickelt haben, bei der man die Pendel wie bei einem Vorhang verschieben konnte. Da wurden wir vielfach kopiert, was ich nach wie vor als Kompliment auffasse, denn dann kann es nicht so schlecht gewesen sein. Natürlich sind die Designpreise, die wir die ganzen Jahre eingeheimst haben, auch immer Höhepunkte, die einen in seinem Schaffen bestätigen. Und nicht zuletzt der Technologiewandel in den LED-Bereich. Ich sehe das auch als Höhepunkt, das hat eine ganz neue Ära eingeleitet, nicht nur für LDM.

Es ist ein bisschen schade: Das Jubiläumsjahr 2021 ist ja jetzt schon vorbei, und dank der ganzen Situation konnten wir ja auch nicht viel machen. Deshalb haben wir beschlossen, die Feiern auf das Jahr 2024 zu verschieben. Dann haben wir 33 Jahre LDM - das ist eine coole Zahl, und bis dahin können wir das Jubiläum hoffentlich wieder richtig feiern.

„Es hat viel Spaß gemacht, komplettes Neuland zu betreten“

Prediger Lichtjournal: Die Stichworte LED und Technologiewandel sind bereits gefallen: Welche Auswirkungen hatte dieser Wechsel für Sie als Hersteller?
Jürgen Glauner: Wir waren als LDM einer der ersten Hersteller, die sich mit dem Thema beschäftigt haben. Wir haben 2008 auf der Light & Building schon eine Tischleuchte vorgestellt mit LED-Technik, 2010 die erste LED-Produktlinie. Damals haben die meisten noch auf Niedervolt-Halogen gesetzt. Die größte Herausforderung war, dass es keine Erfahrungswerte gab, auf die man zurückgreifen konnte. Wir mussten uns alles erarbeiten, keiner kannte sich so richtig aus in dem Thema. Man musste viel probieren, viel experimentieren. Aber letztendlich waren wir erfolgreich und haben 2012 auf der Light & Building das erste modulare LED-Lichtsystem vorgestellt, was komplett mit Strahlern Pendelleuchten etc. bestückt werden konnte und was vor allem dimmbar war. Und damals waren dimmbare LEDs eine kleine Sensation. Es war viel Arbeit, aber es hat auch viel Spaß gemacht, komplettes Neuland zu betreten.

Prediger Lichtjournal: Richten wir den Blick wieder nach vorn: Was für Pläne hat LDM für die Zukunft? Was darf man aus Ihrem Hause erwarten?
Jürgen Glauner: Schon einiges! Die Digitalisierung ist ein großes Thema im Moment. Im Smart-Home-Bereich schreitet die Entwicklung immer weiter voran. Wir versuchen immer, die neuesten Technologien zu integrieren: All unsere Produkte sind DALI-fähig, Casambi-fähig und können eingebunden werden in gängige Smart-Home-Systeme. Und wir werden natürlich neue Produkte bringen: Im Bereich Strahler und gerichtetes Licht sind wir aktuell bereits sehr gut aufgestellt. Es kommen Pendelleuchten, Stehleuchten und Leseleuchten, auch im Bereich Homeoffice.

Anfang März ist unsere neue Website online gegangen. In naher Zukunft erscheint im Herbst unser neuer Katalog, genauer Anfang September. Und auch bei unseren Neuheiten bleibt Modularität ein großes Thema für uns.

Prediger Lichtjournal: Weshalb passt LDM so gut zu Prediger Lichtberater und seinem starken Dienstleistungsansatz?
Jürgen Glauner: Wir sehen uns als Problemlöser und fragen immer: Wie können wir Situationen vor Ort lösen? Hier hilft uns die Modularität: Unsere Produkte sind wie ein Baukasten aufgebaut, und so gesehen sind sie perfekt für eine situationsbezogene Beratung und für Lichtlösungen. Wir versuchen immer, gemeinsam mit den Beratern die richtige Lösung zu finden, auch für schwierigste Raumsituationen. Auch unser Außendienst ist immer intensiv mit eingebunden, teils sogar beim Kunden vor Ort. Viele Sonderanfragen, die wir bekommen, sind für uns gar keine Sonderanfertigungen, denn wir können sie aus der bestehenden Modularität lösen und etwas anbieten, selbst wenn es nicht im Katalog ist. Da sind wir tatsächlich für Prediger und die Lichtberatung der perfekte Partner.

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