Designklassiker Teil 12: Die Tischleuchte Bulb von Ingo Maurer

Sie ist eine Hommage an die Glühlampe und eine Ikone aus der Pop-Art-Ära. Und sie ist die erste Leuchte von Ingo Maurer. Seit über 50 Jahren begeistert die Bulb Menschen weltweit – und zwar nicht nur in Privathaushalten, sondern auch im Museum of Modern Art in New York. Höchste Zeit also, dass wir Ihnen Ingo Maurers Klassiker im zwölften Teil unserer beliebten Lichtjournal-Serie etwas genauer vorstellen.

Bulb, Ingo Maurer, Prediger Lichtjournal

1966 eroberte die Bulb von Ingo Maurer die Leuchtenwelt. Foto: Ingo Maurer

Als Ingo Maurer im Jahr 1965 frisch aus den Vereinigten Staaten kam und in Venedig Halt machte, lag er auf dem Bett in seiner Pension und starrte an die Decke. Dort hing eine nackte Glühlampe. Für Maurer war es Liebe auf den ersten Blick – und zugleich die Inspirationsquelle für seine erste Leuchte, wie er später selbst in einem Interview erklärte: „Eine Glühbirne ist so wichtig in unserem Leben, dass wir ihr eine größere Ehre erweisen sollten.“ Noch vor Ort zeichnete er einen Entwurf seiner Leuchtenidee und ließ sich sogar von den Glasbläsern in Murano einen Prototyp anfertigen. Es war die Geburtstunde der Bulb.

„Bulb“ bedeutet übrigens schlicht „Birne“. Was dann auch bei der Leuchte Programm ist: eine überdimensionale Glühlampe aus Kristall mit einer Fassung aus hochglanzverchromten Metall, in der eine Glühlampe leuchtet. Mehr Hommage im Pop-Art-Stil geht nicht. Und auch nicht mehr Revolution. Denn Maurer brach mit seiner Bulb, die 1966 auf den Markt kam, mit allen Leuchtentraditionen. Zwar gab es bereits mit der Agnoli 387 von Oluce seit 1954 eine Leuchte, bei der erstmals nicht der Lampenschirm, sondern das Leuchtmittel im Vordergrund stand. Aber Maurer war der Erste, der eben jenes Leuchtmittel absolut ins Zentrum rückte und so zugleich mit einer spielerischen Demonstration eine waschechte Hommage an die Glühlampe selbst schuf.

Bulb, Ingo Maurer, Prediger Lichtjournal

Der Mann hinter der Leuchte: Ingo Maurer. Foto: Artcurial/Ingo Maurer

Bulb: Kunstwerk, Hommage und Mahnmal in einem

So etwas gab es bis dato noch nie. Es ist also nicht verwunderlich, dass Ingo Maurer mit seiner Kreation innerhalb kürzester Zeit in aller Munde war. Und dass die Bulb den Grundstein für seine bis heute sehr erfolgreiche Firma bildete. Schließlich veränderte sie den Begriff vom Leuchtkörper an sich nachhaltig. Im Jahr 1969 nahm dann sogar das Museum of Modern Art in New York die Bulb in die ständige Design-Sammlung auf. Nicht vielen Leuchten wurde diese Ehre zuteil. Bis heute ist die Bulb im New Yorker Museum zu bewundern.

Einen weiteren Interpretationsdreh bekam die Tischleuchte, als die Europäische Union ihr Glühlampenverbot 2009 in die Tat umsetzte. Denn so wurde aus der Hommage ein Denkmal. Ja, man könnte fast schon sagen, dass die Bulb ein Mahnmal wurde, wenn man bedenkt, dass Ingo Maurer zu den größten (und wichtigsten) Kritikern des EU-Verbots gehört.

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Zum 50-jährigen Jubiläum kamen diese beiden Sondereditionen heraus. Foto: Ingo Maurer

Sondereditionen zum 50-jährigen Jubiläum

Als die Bulb 2016 ihren 50. Geburtstag feierte, brachte die Firma Ingo Maurer übrigens zwei Sondereditionen der Tischleuchte heraus. In Abstimmung mit Maurer gestalteten seine Teammitglieder eine „Bulb Limited Heart“ mit Messingfuß und dem Schriftzug „The most beautiful light comes from the human heart.“ Diese Version war auf 88 Stück limitiert. Die zweite Leuchte mit dem Namen „Buld Limited Fly“ schmückte ein Zitat des Schriftstellers Gabriel Garcia Marquez: „La humanidad se divide en dos: Los que cagan bien y los que cagan mal“ („Die Menschheit ist in zwei Teile geteilt: Diejenigen, die gut singen und diejenigen, die Unfug treiben“). Zusätzlich platzierte Ingo Maurer höchst selbst handgefertigte Fliegenmodelle auf dem mundgeblasenen Muranoglas der Leuchtenkuppel und begrenzte die Stückzahl auf zwölf exklusive Exemplare.

Ob nun als limitierte Sonderedition, als übergroße Anfertigung für den Boden oder als ganz normale Tischleuchte – die Bulb von Ingo Maurer erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit und ist aus vielen Wohnzimmern weder als Licht- noch als Kunstobjekt wegzudenken.