Gefalteter Erfolg: 75 Jahre Le Klint

In der Leuchtenwelt gibt es inzwischen weltweit zahlreiche Traditionsunternehmen. Aber nur wenige können auf eine derart lange und auch konsequente Firmengeschichte zurückblicken wie der dänische Hersteller Le Klint.

Le Klint, Prediger Lichtberater

Die Arc-Leuchten sind eine Hommage an die Grundtvigskirche von Peder Vilhelm Jensen-Klint. Alle Fotos: Le Klint

Irgendwie ist es sehr passend, dass die Leuchten-Serie Arc, die vom Designer-Duo Manér Studios für Le Klint entworfen wurde, aktuell für einen dänischen Designpreis als „Lamp of the Year“ nominiert ist. Schließlich ist die Grundtvigskirche in Kopenhagen das Vorbild für das Leuchtendesign. Und eben jene Kirche wurde von niemand anderen als Peder Vilhelm Jensen-Klint entworfen, der 1913 den dazugehörigen Architekturwettbewerb gewann und 1919 mit dem Bau des Gotteshauses begann.

Obwohl Jensen-Klint Zeit seines Lebens als Architekt und Ingenieur arbeitete, war er auch in anderen Bereichen sehr kreativ. Bereits um 1900 begann er etwa mit gefalteten Papierschirmen für seine Petroleumlampe zu experimentieren. Sein Sohn Tage Klint griff diese Idee auf und perfektionierte sie, indem er die Materialelastizität nutzte, um den Schirm am Gestell zu befestigen. Der Einhakkragen war geboren. 1938 meldete Tage Klint die Erfindung seines Vaters beim Patentamt an, um schließlich 1943 seine bis heute bestehende Firma Le Klint zu gründen, die in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen begeht.

Le Klint, Prediger Lichtberater

Die Pendelleuchte 101 wurde 1949 von Kaare Klint designt – diese XL-Version kam 2008 auf den Markt.

Ecken und Kanten bilden das Grundkonzept

Den Erfolg, den Tage Klint mit der speziellen Falttechnik feierte, konnte sein Vater Peder Vilhelm nicht mehr miterleben. Er starb im Jahr 1930. Die Grundtvigskirche, zu diesem Zeitpunkt noch im Bau, wurde von Jensen-Klints anderem Sohn vollendet. Kaare Klint. Und von Kaare Klint sowie dessen Sohn Esben stammen einige wichtige Leuchtendesigns, die den Hersteller innerhalb kürzester Zeit in ganz Dänemark bekannt machten. Schnell hingen überall die Leuchten mit den prägnanten Faltmustern in den Wohnungen.

Diese Faltmuster sind auch nach 75 Jahren nicht aus der Produktion wegzudenken. Heute ist Le Klint der einzige Hersteller, der diese Technik verwendet. Und noch immer werden die Leuchten in aufwendiger Handarbeit produziert. Nach eigenen Firmenangaben braucht eine Falterin ungefähr ein Jahr, um die Technik zu erlernen – und etwa zwei bis drei Jahre, bevor sie das komplette Sortiment falten kann. Bei Le Klint wird also noch echtes Handwerk betrieben.

Le Klint, Prediger Lichtberater

Die legendäre 172 von Poul Christiansen.

Poul Christiansen bei Le Klint

Wobei sich in diesem Fall Tradition und Innovation nicht ausschließen. Obwohl sich Klassiker wie die Pendelleuchten 101, 105 oder 107 nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen, wurde die Falttechnik immer wieder weiterentwickelt. Wie zum Beispiel Ende der 1960er-Jahre von Poul Christiansen, der die mathematische Berechnung einer Sinuskurve nahm und diese auf das Falten anwandte, sodass erstmals Leuchten mit geschwungenem Muster möglich waren, die ohne akkurate Winkel bei der Falttechnik auskamen. Poulsens Pendelleuchte 172 aus dem Jahr 1971 ist ein Paradebeispiel für diese neue Formsprache, die Le Klint einen neuen Bekanntheitsschub gab.

Und auch die Arc-Leuchten verdeutlichen, wie innovativ und wandelbar die Falttechnik sein kann – ohne dabei die Traditionen des Hauses links liegen zu lassen, wie die beiden Designerinnen Nanna Neergaard und Marie Hesseldahl von Manér Studios bestätigen: „Wir wollten mit dem Erbe von Le Klint arbeiten und der alten Technik ein neues Feature hinzufügen, um eine neue und jüngere Zielgruppe anzusprechen. Wir lieben die Art, wie die Faltschirme einer Le Klint Leuchte das Licht brechen und einerseits ein diffuses und andererseits konzentriertes Licht in einem Raum erzeugen. Wir wollten mit unserem Design eine Neuinterpretation des klassischen Faltleuchtenschirms liefern, allerdings mit einer doppelt so stark gewölbten und weichen Form.“

Le Klint, Prediger Lichtberater

Dass Le Klint auch ohne Falttechnik schöne Leuchten herausbringt, beweist unter anderem die Antoni Pendelleuchte.

Innovation und Tradition vereinen sich

Zwar sind die Faltleuchten nach wie vor prägend für Le Klint, doch auch andere ungewöhnliche Leuchten haben hier inzwischen ihre Geburtsstunde erlebt. Wie zum Beispiel die Pendelleuchte Antoni, die nach ihrem Designer Ib Antoni benannt wurde und ein Schmuckstück des skandinavischen Designs ist. Oder aber die Carronade-Leuchtenfamilie von Markus Johannson, die ebenso verspielt wie kernig und edel ist.

Mit der Öffnung in andere Designrichtungen hat der dänische Hersteller Mut bewiesen. Mut, der sich auszahlt. Und vor allem Mut, der der Firma alles andere als fremd ist. Denn genau diesen Mut, etwas Neues zu wagen, brachte bereits 1972 Jan Klint auf, der die Firma seit 1953 leitete. Um seine Mitarbeiter abzusichern errichtete er nämlich die Le Klint Stiftung, die seitdem nicht nur die Geschicke der Leuchtenmanufaktur lenkt, sondern die auch jährlich Stipendien an Designer und Architekten vergibt, um den Nachwuchs zu fördern. Soviel Innovation gepaart mit Traditionsbewusstsein macht sich bezahlt – nicht nur monetär. Zum einen ist Le Klint so einer der bekanntesten, zum anderen aber auch einer der edelsten Leuchtenhersteller Dänemarks, der 2003 sogar zum Hoflieferanten des Königshauses ernannt wurde.

Le Klint, Prediger Lichtberater

Die hohe Kunst der Falttechnik.

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