Posso Presentare: Artemide

Die Designklassiker von Artemide sind so vertraut wie gute Bekannte. Sie begegnen uns regelmäßig – in Wohnungen, Shops, Hotellobbys und Büros, im Museum oder auf der Kinoleinwand. Doch nicht jeder kennt die Erfolgsgeheimnisse des italienischen Unternehmens, das hinter den ikonischen Entwürfen steckt. Grund genug, die Geschichte und Geschichten von Artemide näher zu beleuchten.

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Ernesto Gismondi in den Artemide Gründungsjahren.

Artemide-Gründer und Firmenchef Ernesto Gismondi hat einen ungewöhnlichen, äußerst spannenden Lebenslauf: Statt Design oder Architektur, studierte er Luft- und Raumfahrttechnik. Von 1964 bis 1984 lehrte er als Professor und Experte für Raketentriebwerke am Polytechnikum Mailand. Sein eigenes Unternehmen gründete er 1960, um neue Lichtwelten zu erforschen und innovative Beleuchtungslösungen zu entwickeln. Ernesto Gismondis Pioniergeist und seine Begeisterung für neuartige Materialien und Technologien – Eigenschaften, die auch in der Raumfahrt eine wichtige Rolle spielen – prägen die Unternehmensgeschichte sowie seine eigenen Entwürfe.

Benannt wurde das in Pregnana Milanese bei Mailand ansässige Unternehmen Artemide nach einer Göttin aus der griechischen Mythologie. Artemis ist die Göttin der Jagd, des Waldes und des Mondes. Außerdem ist sie die Zwillingsschwester des Apollon, Gott des Lichts – auch bekannt als Apollo. Dieser war wiederum der Namensgeber des Apollo-Programms der NASA, das zum ersten Mal Menschen auf den Mond brachte. Und somit schließt sich der Kreis zur Raumfahrt. Dass die nächste Mondmission der USA den Namen Artemis tragen soll, konnte Ernesto Gismondi natürlich noch nicht ahnen, als er in den Sechzigerjahren sein Unternehmen taufte.

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Firmensitz in Pregnana-Milanese.

Der mysteriöse Örni Halloween

Viele haben sich schon gefragt: Wer ist eigentlich der Designer mit dem merkwürdigen Namen Örni Halloween, der einst Leuchten für Artemide entwarf? Bei Örni Halloween handelt es sich um den Artemide-Gründer Ernesto Gismondi himself. Zu Beginn verwendete er dieses Pseudonym, wenn er selbst Leuchten gestaltete. Später ging er dazu über, die Entwürfe unter seinem eigenen Namen zu präsentieren. Die Leuchten der Familie Pantalica sind bis heute mit dem Designer-Namen Örni Halloween im Katalog von Artemide zu finden.

Neben Gismondi entwarfen seit den Anfängen des Unternehmens auch viele andere Gestalter Leuchten für Artemide. Bereits bei der Gründung hatte Ernesto Gismondi die Idee, eng mit einigen seiner begabtesten Zeitgenossen zusammenzuarbeiten. Er wollte Architekten und Designern eine Plattform bieten, um eigene Leuchten-Entwürfe umsetzen zu können. Zu den Kooperationspartnern der ersten Stunde zählen Ettore Sottsass und Michele De Lucchi, mit denen Gismondi auch der Memphis-Gruppe angehörte. Dieses Kollektiv sorgte in den 1980er Jahren mit avantgardistischer, knallbunter und humorvoll-verspielter Designsprache für Furore.

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Ernesto Gismondi und Carlotta de Bevilacqua. Foto: Pierpaolo Ferrari

Die Designer-Elite und Artemide

Heute liest sich das Adressbuch von Ernesto Gismondi wie das Who’s who der internationalen Architektur- und Designbranche. In den vergangenen Jahrzehnten sind viele Namen zeitgenössischer Entwerfer hinzugekommen. Neben den Leuchten und Lichtsystemen, die Firmenchef Ernesto Gismondi und seine Frau – Artemide-Vizepräsidentin, Architektin und Designerin Carlotta de Bevilacqua – entwickeln, haben auch Größen der Branche wie Richard Sapper, Jean Nouvel, Neil Poulton, Ross Lovegrove, Herzog & de Meuron und BIG – um nur einige zu nennen – mit ihren Entwürfen zum enormen Erfolg der Marke Artemide beigetragen.

Dabei sorgen sie nicht nur für gestalterische, sondern auch für kulturelle Vielfalt. So hat das aus Shanghai stammende Architekten-Duo Neri&Hu mit den Leuchtenfamilien nh eine Neuinterpretation traditioneller chinesischer Laternen vorgestellt. Der japanische Modedesigner Issey Miyake hat für Artemide kunstvolle Leuchten entwickelt, die an Falttechniken wie Origami erinnern. Und die Campana-Brüder haben mit der Outdoor-Leuchte Irupé – in Form des Blattes einer Amazonas-Riesenseerose – die Vegetation ihrer brasilianischen Heimat ins Artemide- Portfolio gebracht.

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Artemide Li-Fi: Datenübertragung durch Licht.

Im Mittelpunkt steht der Mensch

Innovative Leuchten und Lichtsysteme entstehen bei Artemide nicht nur durch die enge Zusammenarbeit mit namhaften Gestaltern, sondern auch durch unermüdliche Forschung und technologische Kompetenz. Artemide betreibt ein eigenes Forschungs- und Innovationszentrum in Pregnana Milanese. Außerdem werden die unterschiedlichen Technologien in Zusammenarbeit mit Universitäten und unabhängigen Laboren ständig weiterentwickelt. Das Ergebnis: außergewöhnliche, zukunftsweisende Lichtlösungen – aber auch Software, Sensoren, Steuersysteme. Bis zu 500 einzelne Leuchten oder komplexe Beleuchtungsszenarien kann man ganz komfortabel und intuitiv mit der Artemide App steuern. Erstaunliche neue Möglichkeiten der Daten- und Informationsübertragung durch gerichtetes Licht eröffnen die Technologien Li-Fi und GEO Li-Fi von Artemide.

Dabei lautet das Motto niemals „Technik um der Technik willen“. Ganz im Gegenteil: Im Mittelpunkt aller Produktentwicklungen steht immer der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Bereits in den 1990er Jahren ersannen Ernesto Gismondi und Carlotta de Bevilacqua ihre Unternehmensphilosophie „The Human Light“. Produkte von Artemide sollen nicht nur der Beleuchtung von Räumen dienen, sondern sich konkret auf die Aktivitäten der Menschen in diesen Räumen beziehen. Licht soll zur Verbesserung der Lebensqualität und zum Wohlbefinden beitragen. Ermöglicht wird dies unter anderem durch perfekte Lichtqualität, flexible, individualisierbare Lösungen und Bedienungsfreundlichkeit.

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Bei Artemide dient Licht immer dem Menschen und seinen Bedürfnissen.

Artemide übernimmt Verantwortung

Licht wird zum Wohle des Menschen gestaltet – aber auch zum Wohle der Umwelt. „The Responsible Light“ lautet die Ergänzung der Artemide-Philosophie: Das Unternehmen übernimmt Verantwortung, indem es Leuchten mit maximaler Energieeffizienz entwickelt, den gesamten Lebenszyklus der Produkte betrachtet, Rohstoffe sorgfältig auswählt, Verpackungen reduziert und nachhaltige Produktionstechniken bevorzugt.

Ein weiterer Aspekt nachhaltiger Produkte ist die Langlebigkeit des Designs. Leuchten von Artemide zeichnen sich durch eine Gestaltung aus, die die Jahrzehnte überdauert. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben. Viele der ikonischen Entwürfe aus dem Portfolio von Artemide gelten bereits als Designklassiker und wurden in die Sammlungen der renommiertesten Museen rund um den Globus aufgenommen. Dazu zählen das Museum of Modern Art (MoMA) in New York, das Centre Georges Pompidou in Paris und das Londoner Victoria and Albert Museum. Ihre weltweite Berühmtheit ist den Designikonen aber nicht zu Kopf gestiegen. Sie sind noch immer gute und unkomplizierte Mitbewohner – ganz ohne Starallüren.

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Alphabet of Light: Das BIG Office in New York.

Ausgezeichnetes Licht

So einige Leuchten von Artemide sind nicht nur bewunderte Museumsstücke, sondern auch Preisträger internationaler Awards. Eine Vielzahl von Auszeichnungen konnte das italienische Unternehmen in den vergangenen sechs Jahrzehnten schon sammeln: Vom Red Dot Award über den iF Design Award bis hin zum begehrten Compasso d’Oro. Dieser gilt als einer der wichtigsten – wenn nicht sogar der wichtigste – Preis für Industriedesign. Artemide erhielt den Preis bereits mehrmals, unter anderem für die Leuchten Tolomeo, Copernico und Eclisse, aber auch für die gesamte Unternehmensleistung – das ist sehr selten und eine ganz besondere Ehre.

Im Jahr 2018 wurde Artemide gleich doppelt mit dem Compasso d’Oro prämiert: Firmengründer Ernesto Gismondi wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet und auch sein aktueller Entwurf Discovery erhielt den Designpreis. Die von Gismondi designte Leuchte Discovery ist eine faszinierende, im Raum schwebende Lichtscheibe, deren verblüffende Technologie nicht von dieser Welt zu sein scheint. Sie trägt außerdem den Namen des erfolgreichsten amerikanischen Spaceshuttles aller Zeiten. Lichtdesign und Raumfahrt – die beiden großen Leidenschaften des Ernesto Gismondi – haben mehr Berührungspunkte, als man zunächst vermuten würde.