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Chronik des Unternehmens Prediger Lichtberater

Carl Prediger eröffnet mit seiner Frau Juliane am Hamburger Steindamm 158 einen Laden für Petroleum-, Gas- und Elektrolampen. Abendliches Licht ist noch keine Selbstverständlichkeit, und so hat das Geschäft im Stadtteil St. Georg auch Taschenlampen und Batterien im Angebot.

Prediger Lichtberater. Eine Chronik.

1921. Hamburg und die Welt.

Das war's auch schon: Der größte Aufreger des Jahres in der Elbstadt ist der Diebstahl des Rembrandt-Gemäldes Abziehendes Gewitter in Herbstlandschaft aus der Privatbank Hekscher. Schaden: Zwei Millionen Reichsmark. In der Ferne brauen sich indes Gewitter zusammen, die einen deutlich längeren Nachhall haben sollen: In China wird Mao Tse-tungs Kommunistische Partei gegründet. Das funktioniert. Auf dem Balkan versuchen sich Serben, Kroaten und Slowenen in der Gründung des gemeinsamen Staates Jugoslawien. Das funktioniert nicht.

Prediger und die Gründerjahre.

Carl Prediger eröffnet mit seiner Frau Juliane am Hamburger Steindamm 158 einen Laden für Petroleum-, Gas- und Elektrolampen. Abendliches Licht ist noch keine Selbstverständlichkeit, und so hat das Geschäft im Stadtteil St. Georg auch Taschenlampen und Batterien im Angebot. Jenseits des Brot- und Buttergeschäfts mit Reparaturen, Nachttisch- und Küchenleuchten setzt Prediger auf Exklusivität: Er baut ein Netzwerk zu Leuchtenherstellern und Glasbläsern in Deutschland und dem umliegenden Ausland auf. Nicht nur, dass er damit innovativ den damals beherrschenden Groß- und Zwischenhandel umgeht. Mit seinen Vorstellungen von Ästhetik und Design beeinflusst er die Produzenten auch direkt.

Die Hyperinflation, Folge der Reparationszahlungen nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg, macht der jungen Unternehmung über das Jahr 1923 hinaus zu schaffen. Nachdem im November eine Briefmarke 10 Billionen Papiermark kostet, setzt die Währungsreform dem Spuk der Geldvernichtung und Verarmung ein Ende. Die Nachwehen bleiben aber noch zwei Jahre spürbar.
Erst 1928 erreicht der Lebensstandard wieder das Niveau der Vorkriegszeit, und Prediger schafft sich nach den Fährnissen Luft. Das nunmehrige Beleuchtungshaus erstarkt. Es übernimmt Hamburgs ältestes Lampengeschäft F. Tinke in der Bergstraße 14, unweit von Jungfernstieg und Binnenalster. Und größere Räume auch. Prediger ist angekommen in Hamburgs Mitte.
1938 dann findet das Geschäft in der prominentesten Einkaufsmeile, der Mönckebergstraße 25, seinen bis heute gültigen Platz. Beim großen Fliegerangriff auf Hamburg, 1943, wird der Stammsitz am Steindamm ausgebombt.

Aus dem Archiv: Wir beschäftigten bald 25 Angestellte und Arbeiter und hatten 2 Lieferwagen und einen Personenwagen für das Geschäft laufen. (Carl Prediger, Gründer)
Das Personal war in alle Winde zerstreut und kommt jetzt erst langsam wieder. Am schlimmsten ist die Wohnungsnot. Teilweise rücken die Wohnungssuchenden und Ladengeschäfte sehr eng zusammen. (Carl Prediger, Gründer)

1952. Hamburg und die See.

Endlich ein Tut. Die Hansestadt zeigt Flagge und Signal. Es wird wieder gedippt: Im Fährhaus Schulau, Stadtteil Wedel, wird die Schiffsbegrüßungsanlage Willkomm-Höft eingeweiht. Die ein- und ausfahrende See ist wieder im Hafen. Hamburg hat wieder Anschluss zu den Toren dieser Welt. Im Gefolge dümpeln wenig später, ein paar Jahre, schmachtende Seemannsschlager auf den Ätherwellen. Junge komm bald wieder. Wer bitteschön ist denn dieser Franz Eugen Helmuth Manfred Nid? In Rom nimmt ein Riesendampfer Fahrt und Anschluss auf: Die Europäische Gemeinschaft wird aus der Taufe gehoben.

Prediger und der König Kunde.

Auch Prediger fährt aus. Besser: Die Direktoren schwärmen aus. Jeder von ihnen betreut einen Stadtteil, dort die Kunden. 1956 sind die letzten Spuren der Hamburger Bombennacht beseitigt, und in einem Nebenraum in der Mönckebergstraße drinnen warten Gürtler und Galvaniseure. Und der Chauffeur. Oft wienert der auch draußen Kotflügel und Lack. Conciergen halten anfahrenden Kunden Schlag und Türe auf. Nach der Exklusivität nunmehr Dienstbarkeit und Chic. Prediger hat die Weltläufigkeit für sich entdeckt und gestaltet diese genau so konsequent.

Hinter den quirligen Geistern der Dienstbotengesellschaft der Fünfziger steht Juliane Prediger, die nach dem Tod des Gründers nunmehr die Geschäfte führt. Eine wohlmeinende Patriarchin, Hamburger Dame, ehrfurchtgebietend, die ihr Mittagsschläfchen schätzt und sich dazu nur von Bodo Seidenstricker, dem treuen Chauffeur, nach Hause fahren lässt. Nur als Franz Eugen Helmuth Manfred Nid im Geschäft auftaucht, pulst ihr Herz ein wenig höher, und sie erknickst sich ein Autogramm: Herzlich Freddy Quinn, schreibt der Superstar der Wirtschaftswunderzeit Grüße für die Enkel darauf. Ab 1962 zieht sie sich peu à peu aus der Geschäftsführung zurück. Georg Brink übernimmt. Nach und Nach.

Aus dem Archiv: Bodo war unser Chauffeur. Aber Onkel Bodo war auch noch Kindermädchen. Und eigentlich war Onkel Bodo Mädchen für alles. Er gehörte zur Familie. Einmal im Jahr zauberte er für uns Kinder aus dem grauen Ärmel seines Livrees ein Eis. (Frau S., Enkelin der Predigers)

1968. Hamburg und der Protest.

Studenten schießen sich nach dem Besuch des Schahs von Persien und dem Attentat auf Studentenführer Rudi Dutschke auf den Springer-Verlag und seine Zeitungen ein.
Unter den Talaren – Muff von tausend Jahren, ist ein geflügeltes Wort an den Universitäten. Es brodelt. Die selbstzufriedene Gesellschaftsordnung der Fünfziger mit ihren Würdenträgern wird in frage gestellt. Was sonst noch passiert? Hilfe, Hilfe, die Globolinks ist ein futuristisch anmutendes Singspiel an der Hamburger Staatsoper. Sousaphone und Blitze schleudernde Lichtskuplpturen reiben sich am überkommenen Geschmack. In Prag walzt die Rote Armee mit Panzern einen Volksaufstand nieder.

Prediger und Verner Panton.

Dubai, Jordanien, Saudi Arabien, Kuwait, Bahrein. Scheichs mögen es bunt. Ob das der Grund ist, warum auf einmal die Herren des schwarzen Goldes bei Prediger aufschlagen? 1968 modelt Designpapst Verner Panton die Ladenräume komplett um. Teppichböden, Wände in schreiendem Orange auf quietschendem Lila. Und alles ist rund. Unter Georg Brink definiert Prediger die Avantgarde im Leuchtendesign. Klar und schnörkellos. Farben, Flächen, Formen ein Angriff auf althergebrachten Geschmack: Ingo Maurer, der Lichtpoet. Achille Castiglioni, der Italiener. Ettore Sottsass, der Anti-Designer. Joe Colombo, Wohnmaschinen.

Aus dem Archiv: Eine Kundin betrat den neu gestalteten Laden, drehte sich um und sagte: Hier setze ich nie wieder einen Fuß rein. Da wusste Georg Brink, dass er alles richtig gemacht hatte. (Dieter Mangels, Verkaufsleiter)

2001. Hamburg und das Millenium.

Da kommt was auf uns zu. Von Hamburg aus startet Attentäter Mohammad Atta sein vernichtendes Werk mit den Anschlägen in New York. Nine Eleven begründet eine Ära der Angst. Im Vorjahr ist die Dotcom-Blase geplatzt. Die Träume vom schnellen Geld mit Internet, Daytrading und Telekom-Volksaktie ausgeträumt. Neues Jahrtausend wohin? Die Hamburger Feuerkasse bleibt unbeirrt optimistisch und stiftet der Hamburger Feuerwehr eine eigene Fahne. China tritt der Welthandelsorganisation WTO bei.

Prediger und die Lichtberater.

Licht statt Leuchte. Im neuen Jahrtausend steht das Ergebnis von Licht im Mittelpunkt. Unter Sebastian Brink ist Prediger nunmehr Lichtberater. Italienisch statt flämisch, Dolce Vita statt Gelsenkirchener Barock. Licht wird planbar, in die Architektur einbezogen: Wie wird der Wohnraum genutzt? Dann: Was kann hier hin? Licht gestaltet Umwelt. Es kommt darauf an, wer wie was daraus macht. Nach der Internetkatastrophe baut Prediger 2002 allen Unkenrufen zum Trotz einen Shop im Internet auf. Ein Jahr später, im Juli 2003, der Start. Die ganze Mannschaft starrt gebannt auf die Bildschirme. Dann: Die erste Bestellung. Es ist dieses Boris-Becker-Gefühl – Hurra ich bin drin. Sie haben Post. Herr Karl H., ein Stammkunde altbekannt, bestellt als erster. Die Sektgläser klingen. Willkommen Millenium.

Aus dem Archiv: Das Kabel muss zum Licht kommen. Nicht umgekehrt. (Sebastian Brink, Geschäftsführer)

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