Willkommen in der Leuchtwelt von Oakleaf Creativity

Fantasievoll kostümierte Stelzenläufer sind auf jedem Stadtfest ein absoluter Hingucker. Noch faszinierender wird es aber, wenn die farbenfrohen Gewänder abends zusätzlich leuchten. Allerdings haben nur wenige Stelzengruppen Lichtkostüme in ihrem Portfolio. Eine davon ist die norddeutsche Truppe Oakleaf Creativity, die uns einen Blick hinter die Kulissen werfen ließ.

Oakleaf Creativity

Stamp 2018: Gute Laune trotz Regen. Foto: Prediger

Es hätte eine Premiere werden sollen am 1. Juni. Mit der Performance „Lost in Space“ wollte Oakleaf Creativity aus den Weiten des Weltraums bis nach Hamburg-Altona reisen. Quasi als Höhepunkt der Eröffnung von Stamp, dem Festival, das einmal im Jahr ein Wochenende lang rund um den Bahnhof Altona zeigt, wie vielfältig Straßenkunst sein kann. Um 23 Uhr sollte die Stelzentruppe auftreten. Die Aufregung war groß. Denn es waren nicht nur Prediger und der NDR für eine Reportage anwesend. Nein, erstmals sollte es via Beamer eine 360°-Projektion bei Oakleaf Creativity geben. Ob es klappen würde? Der technische Leiter Piet Koenekoop war zuversichtlich. Schließlich hatte er lange an der Technik herumgetüfelt und sich sogar Hilfe aus Berlin geholt. Von einem Experten für Videoprojektionen.

Vom Pudel bis zum Leuchtkostüm

Oakleaf Creativity, Prediger Lichtberater

Beeindruckende Leuchtfiguren auf Stelzen. Foto: Oakleaf Creativity

Dabei ist Piet Koenekoop selbst Experte. Für Stelzenkunsteffekte. Der gelernte Elektroniker betreut immerhin seit neun Jahren die komplette Technik der Truppe seiner Frau Bettina Eichblatt, die nicht nur Namensgeberin für Oakleaf Creativity, sondern die als künstlerische Leiterin mit ihren Kostümideen, Inszenierungen und Choreografien maßgeblich für den Erfolg des Stelzenensembles verantwortlich ist.

Angefangen hatte es damit, dass Piet Koenekoop die Stelzen seiner Frau verbesserte. Statt aus statischem Holz, das auf Dauer beim Gehen die Gelenke zu sehr belastete, baute er Stelzen aus Aluminium. Mit Sprungfedern, um den natürlichen Gang nachzuahmen. Und nach den neuen Stelzen kamen die technischen Bauten für Oakleaf Creativity. Den Anfang machte ein Pudel, der nicht nur sein Bein anheben, sondern der tatsächlich pinkeln konnte. Inzwischen hat Piet Koenekoop aber noch viel raffiniertere Ideen realisiert: von der wandelnden Losbude bis hin zum sich drehenden Karussell ist alles dabei. Und dann sind da natürlich noch die bunten Leuchtkostüme.

Koenekoops perfektionierte Lichttechnik

Oakleaf Creativity, Prediger Lichtberater

Die Truppe arbeitet auch mit Projektionen. Foto: Oakleaf Creativity

Inspiriert durch einen Lichtkünstler in den Niederlanden, der Kostüme aus Fallschirmseide aufblies und diese beleuchtete, übertrugen Bettina Eichblatt und Piet Koenekoop die Idee für ihre Stelzentruppe. Koenekoop tüftelte dafür ein ausgeklügeltes System aus: In Eigenregie koppelte er 12-Volt-LEDs miteinander und verband diese mit einer Steuerung. Die LEDs sind entweder einzeln in die Kostümgestelle verbaut oder aber als Klettstreifen am Körper befestigt. Betrieben werden die Leuchtmittel durch handlich-kleine Akkus, die bis zu acht Stunden laufen können – je nachdem, wieviele LEDs in einem Kostüm verbaut wurden. „Wobei die Akkus dann ja auch noch das Gebläse bedienen müssen“, verrät Koenekoop. Denn ohne die Kostüme aufblasen zu können, wäre der Effekt nur halb so gut.

Ganz am Anfang, bei den ersten Lichtkostümen, konnten die Stelzenläufer die LEDs selbst an- und ausschalten. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Piet Koenekoop hat seine Lichttechnik bereits vor Jahren perfektioniert. Inzwischen programmiert er die Lichtstimmungen der einzelnen Shows am heimischen Computer und muss sie bei der Performance dann nur noch abfahren. Wobei auch da mal was schief gehen kann, wie er verrät: „Wenn ein LED ausfällt, muss ich halt improvisieren. Meistens bekomme ich es schnell repariert. Es kam aber auch schon mal vor, dass eine ganze LED-Reihe versagt hat. Da bin ich kurz vor einem Auftritt dann auch machtlos.“ Solche Aussetzer kommen zum Glück nur sehr selten vor.

Oakleaf Creativity und der Hamburger Dauerregen

Oakleaf Creativity

Einmal posieren für den NDR, bitte. Foto: Prediger

Ebenso machtlos wie bei kurzfristigen technischen Ausfällen sind Bettina Eichblatt und Piet Koenekoop dann nur noch bei einer Sache: wenn das Wetter nicht mitspielt. So wie am vergangenen Freitag bei der Eröffnung des Stamp-Festivals. Oakleaf Creativity sollte mit seiner 360°-Projektion der krönende Höhepunkt werden. Doch kaum waren alle Kostüme im Probenraum und die ersten Aufnahmen für den NDR im Kasten, fing es an zu regnen. Und es regnete und regnete. Bis der Auftritt schließlich abgesagt werden musste. „Meine Technik kann den Regen ab, aber die Show findet ja auf einer Wiese statt. Und die ist für die Stelzen jetzt zu glitschig“, sagt Koenekoop. Lage Gesichter gab es bei Oakleaf Creativity trotzdem nicht. Schließlich sei man es gewohnt, dass einem das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen könne. „Nur für die Zuschauer ist es natürlich sehr schade“, setzt Bettina Eichblatt nach.

Für die anwesende Presse schmissen sich ein paar Künstler dann aber doch noch ins Kostüm. Ohne Stelzen, versteht sich. Nicht bei derart viel Regen. Aber Licht gab es. Und was für eins! Kaum leuchteten die Kostüme, strahlten die anwesenden Menschen ringsherum. Selbst ohne Stelzen und Choreografie begeistert und fasziniert Oakleaf Creativity mit ihren magischen Lichtkostümen. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, hat zum Beispiel bei den Dschungel-Nächten in Hagenbecks Tierpark am 9. Juni die Gelegenheit dazu.

Oakleaf Creativity Prediger Lichtberater

Wie Wesen aus einer anderen Welt. Foto: Oakleaf Creativity

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