Mehr als ein Name: Die Marke Prediger Lichtberater

Seit 100 Jahren gehört der ehemalige Petroleumlampen-Händler zu Hamburg, und auch in einer Zeit, in der die Markentreue sinkt, bleibt Prediger Lichtberater eine Traditionsmarke. Was macht das Unternehmen heute aus, und wie hat die Marke sich in den vergangenen Jahren gefestigt?

Die Fassade des Stammhauses von Prediger Lichtberater. (Foto: Prediger Lichtberater)
Eine echte Marke: Seit 100 Jahren steht der Name Prediger für Qualität in Sachen Licht und Beleuchtung. (Foto: Prediger Lichtberater)

Wir schreiben das Jahr 1921: Carl Prediger und seine Frau Juliane eröffnen am Steindamm 158 im Hamburger Stadtteil St. Georg einen Laden für Petroleum-, Gas- und Elektrolampen. Abendliches Licht ist im frühen 20. Jahrhundert noch keine Selbstverständlichkeit, und so wird das Sortiment bald auch um Taschenlampen und Batterien erweitert. Jenseits des Tagesgeschäfts mit Reparaturen, Nachttisch- und Küchenleuchten setzt Carl Prediger auf Exklusivität: Er baut ein Netzwerk auf und knüpft Beziehungen zu Leuchtenherstellern und Glasbläsern in Deutschland und dem umliegenden Ausland. Damit umgeht er nicht nur den damals beherrschenden Groß- und Zwischenhandel – ein damals innovatives Konzept – sondern beeinflusst, mit seinen Vorstellungen von Ästhetik und Design die Produzenten auch direkt.

Später beflügelt das Wirtschaftswunder der noch jungen Bundesrepublik auch Prediger: Exklusivität wurde ergänzt um Dienstbarkeit und Chic. Der Vorzeigestandort an der Mönckebergstraße gegenüber der Petri-Kirche garantierte Bekanntheit in der Hansestadt, mit der Neugestaltung der Ausstellung durch Designpapst Verner Panton Ende der 1960er Jahre setzte man auch ein Statement für Design und Modernität: Prediger hatte einen Namen und einen Ruf.

„Die Kunden kauften ihre Leuchten grundsätzlich bei Prediger"

Damals sei eine enge Kundenbindung die Regel gewesen, meint Petra Brink: „Die Kunden kauften ihre Leuchten grundsätzlich bei Prediger, genauso wie sie ihre Bettwäsche bei einem bestimmten Geschäft kaufte.“ Selbst wenn es Wettbewerb gab: Man blieb „seinem“ Händler treu. Diese Kundenbindung ist im 21. Jahrhundert viel schwächer ausgeprägt. Heute kaufen die Kunden da, wo die Bedingungen in diesem Augenblick für sie am besten sind – sei es der Preis, die Lieferbarkeit, die Zahlungsbedingungen oder die Informationen zum Produkt, egal ob on- oder offline. Doch wie kann man da als Marke bestehen?

Unter anderem durch stetigen Wandel. Exemplarisch nennt Petra Brink den Handel mit Kronleuchter-Kristallen: „Es gab ungefähr zehn Kästen mit Kristallen für Kronleuchter. Ein Kristall kostete zwei Mark. Eine Mitarbeiterin widmete sich diesen speziellen Kunden. Nach einer Stunde Beratung hatte man bestenfalls sechs Mark auf der Rechnung.“ Sebastian Brink traf dann als Geschäftsführer die Entscheidung, diese Kästen wegzuschmeißen.

„Schon als junger Erwachsener fand ich, dass Prediger sich zu wenig verändert“, erinnert sich Sebastian Brink, „und ich bekam immer mehr Einblick in den Markt, zunächst durch mein Studium, vor allen Dingen durch meine Arbeit bei Erco. Das ist ein weltweit tätiges Unternehmen, das vor allem Projekte macht. Da kam das Thema Licht mit ins Spiel, es ging um Lösungen und Planung. Mir wurde klar, so unterschiedlich die Unternehmen sind: Für Prediger ist das die einzige Chance, sich in diese Richtung zu entwickeln.“ Zugleich müsse man sich auf neue Vertriebsformen einstellen – natürlich das Internet, aber auch Baumärkte oder den Direktvertrieb einiger Hersteller.

„Das Motto ‚Prediger – alle Leuchten‘ wies in die falsche Richtung“, bilanziert Sebastian Brink. Also stellte man sich neu auf und legte den Schwerpunkt auf die Dienstleistung der Lichtberatung, was im neuen Namen „Prediger Lichtberater“ mündete.

Prediger Lichtberater übernimmt die Verantwortung für die Lichtplanung

Mittlerweile haben Licht und Beleuchtung auch für den Endkonsumenten eine ganz andere Bedeutung, meint auch Petra Brink: „Wenn man früher ein Haus gebaut hat, wurde über Licht nicht besonders nachgedacht. Der Elektriker hat mitten in der Decke eines Raumes einen Anschluss vorgesehen, das war’s. War das Haus bezugsfertig, wurden die Leuchten ausgesucht. In der Beratung ging es um stilistische Fragen. Heute besprechen Berater und Kunde die Anteile von direktem und indirektem Licht, man unterhält sich über den Abstrahlwinkel. Wenn ein Haus gebaut wird, lässt man sich zur Grundbeleuchtung beraten, nur wenige Designleuchten kommen noch hinzu. Vielleicht über dem Esstisch, vielleicht eine Stand- oder eine Tischleuchte.“

„Wenn jemand ein Haus gut und passend ausleuchten möchte, sprechen wir nicht von zehn oder 100 Euro, sondern von Beträgen von 10.000 oder 20.000 Euro“, weiß Sebastian Brink, „es geht nicht nur um die Leuchten, sondern auch um ihre Integration in die Architektur. Planungsfehler sind da kaum noch zu beheben – und Prediger Lichtberater übernimmt die Verantwortung.“

Eine Verantwortung, die das Lichtberatungs-Team von Prediger gerne übernimmt. Und die Entwicklung der Marke ist noch nicht am Ende, so Geschäftsführer Sebastian Brink: „Man sollte nicht mehr überlegen: Beratung, brauche ich das? Das Zwischenziel ist deshalb auf alle Fälle, Lichtberatung selbstverständlicher zu machen. Dieser Gedanke ist für mich eng mit der Marke Prediger verbunden.“

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