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Frank Busch: „Artemide hat mehr zu bieten als die Tolomeo und die Tizio“

Gutes Licht und faszinierendes Design – damit beschäftigt sich Frank Busch, Vertriebsleiter der Artemide GmbH mit Sitz im nordrhein-westfälischen Fröndenberg, bereits seit vielen Jahren. Klar, dass er Mitte März deshalb auch auf der Light + Building in Frankfurt am Main anzutreffen war. Auf dem Stand von Artemide empfing er das Prediger-Lichtjournal zu einem etwa einstündigen Interviewtermin und beantwortete dabei ausgiebig unsere Fragen zur Firmenphilosophie des italienischen Traditionsunternehmens, zu den Messeneuheiten und zu Unternehmensgründer Ernesto Gismondi. Hier ist unser Experteninterview:

Frank Busch, Vertriebsleiter der Artemide GmbH, stand dem Prediger-Lichtjournal kürzlich auf der Light + Building in Frankfurt Rede und Antwort. Foto: Prediger

Frank Busch, Vertriebsleiter der Artemide GmbH, stand dem Prediger-Lichtjournal kürzlich auf der Light + Building in Frankfurt Rede und Antwort. Hier präsentiert er die Empatia-Tischleuchten am Artemide-Stand. Fotos: Prediger

Herr Busch, beginnen wir mit einer vermeintlich einfachen Frage: Welches ist Ihre Lieblingsleuchte von Artemide und warum?

Das ist tatsächlich eine ziemlich schwierige Frage. Ich habe nicht eine Leuchte, die mir außerordentlich gut gefällt, sondern ganz viele. Es gibt natürlich die Ikonen wie die Tolomeo oder die Tizio, die mich mit ihrem Design und einer klugen Idee hinter dem Produkt begeistern. Von unseren neueren Produkten mag ich besonders die Empatia-Leuchten. Sie sind typisch für Artemide, weil sie traditionelle Handwerkskunst mit modernster LED-Lichttechnik verbinden. Die Idee und die Lichtqualität dieser Leuchten sind einfach außergewöhnlich.

Welchen Eindruck haben Sie von der diesjährigen Light + Building? Haben Sie sich schon umschauen und Trends ausmachen können?

Ich habe gehört, dass das Messeniveau in diesem Jahr sehr gut sein soll. Aber ich habe noch keinen anderen Stand gesehen, schließlich ist der Artemide-Stand seit dem ersten Tag von morgens bis abends außerordentlich gut besucht. Das ist toll, die positive Resonanz freut mich wirklich sehr.

Blicken wir kurz in die Zukunft: Auf welche neuen Artemide-Leuchten, Materialien oder Formen dürfen sich Ihre und unsere Kunden in den nächsten Monaten freuen?

Ein großes Thema bei der Light + Building 2016 ist für uns die Verbindung von akustisch wirksamen Flächen mit Licht. Mit der preisgekrönten Eggboard, der Acoustic, Nur acustic oder Silent Field präsentieren wir in Frankfurt einige Schall absorbierende Leuchten. Außerdem haben wir versucht, neue Technologien in unsere Leuchten einzubauen, mit denen beispielsweise die Übertragung von Daten durch Licht möglich wird. Auch die Steuerung des Lichts via App ist natürlich ein großes Thema für uns. Herausheben möchte ich außerdem unsere Kooperation mit dem Autohersteller Mercedes Benz. Beide Unternehmen gehören in ihrem jeweiligen Bereich zu den Marktführern. Jetzt kreuzen wir unsere Kompetenzen, weil sich die Märkte verändern und es einfach notwendig wird. Wir hatten schon immer ein Interesse daran, was Licht mit einem Raum und den Menschen darin macht. Da Autos fahrende Räume sind, macht eine Zusammenarbeit mit Mercedes meiner Meinung nach wirklich Sinn. Ich denke, beide Seiten können viel voneinander lernen.

Wie viele Leuchten-Entwürfe gab es im Vorfeld der Messe und wie viele neue Leuchten präsentiert Artemide schlussendlich auf der Light + Building 2016?

Wir zeigen wieder zwischen 30 und 40 Neuheiten bzw. Prototypen. Selbstverständlich ist das nur eine Auswahl. Im Vorfeld einer solchen Messe werden immer sehr viel mehr Prototypen gebaut, die es aber nicht in die Ausstellung schaffen. Bei einigen der gezeigten Leuchten dauert es dann auch noch ein paar Monate bis zur Serienproduktion, andere Messe-Neuheiten wird man dagegen nie wieder sehen. Das hat verschiedene Gründe. Man stellt vielleicht fest, dass sie von den Kunden nicht angenommen werden oder die Serienfertigung nicht zu einem vernünftigen Preis möglich ist.

Wer entscheidet, welche Leuchten auf den Markt kommen?

In letzter Instanz immer Ernesto Gismondi (Gründer, Inhaber und Präsident von Artemide, Anm. der Red.). Er ist lange genug im Geschäft und weiß, welche Leuchten sich verkaufen und welche vielleicht nicht. Manchmal liegt ihm eine Leuchte aber auch so sehr am Herzen, dass er sie produzieren lässt, obwohl vorher klar ist, dass der Fertigungsprozess nicht wirtschaftlich ist oder nur geringe Stückzahlen verkauft werden.

Die Zahl der Designer, die bereits für Artemide gearbeitet haben oder aktuell arbeiten, ist enorm. Nach welchen Kriterien werden denn die kreativen Köpfe ausgesucht, wenn es um die Entwicklung neuer Produkte geht? Oder stehen die Designer bereits mit ihren fertigen Entwürfen bei Artemide Schlange?

Da gibt es verschiedene Wege. Produkte entstehen zum Beispiel aus einer Anwendung heraus. Das heißt, der Kunde hat einen Wunsch und sucht nach einer entsprechenden Lösung. Andererseits passiert bei Artemide sehr viel, weil Geschäftsführer Ernesto Gismondi unzählige Designer kennt und auch regelmäßig mit ihnen in Kontakt ist. So war beispielsweise der kürzlich verstorbene deutsche Industriedesigner Richard Sapper ein sehr enger Freund Gismondis. Auch Michele de Lucci, der Designer der Tolomeo und Architekt unseres diesjährigen Messestandes, ist mit Ernesto Gismondi seit vielen Jahren befreundet. Durch diese Kontakte entstehen ebenfalls immer wieder Projekte und Leuchten.

Es gibt nicht wenige Experten, die die Zukunft von Licht und Beleuchtung eher in ganzheitlichen Lichtlösungen und weniger in einzelnen Design-Leuchten sehen. Dieser Trend scheint sich auf der Light + Building 2016 zu bestätigen. Wie meistert Artemide die enormen Herausforderungen, die das Unternehmen in einem immer dynamischeren Licht- und Leuchtenmarkt meistern muss?

Für uns ist das kein Problem. Das Design spielt bei unseren Leuchten natürlich eine große Rolle, aber Artemide hatte bereits Mitte der 1990er Jahre eine erfolgreiche Werbekampagne, bei der wir zwar Licht, aber keine Leuchten gezeigt haben. Für uns war immer wichtig, dass das Licht, der Mensch und natürlich auch der Raum als Einheit gesehen werden. Wir nennen das „The Human Light“. Das heißt, wir wollen das Wohlbefinden der Menschen verbessern, das Bedürfnis nach Flexibilität erfüllen sowie eine optimale Lichtleistung bei einem möglichst geringen Energieverbrauch bieten. Trotzdem ist der Anspruch an ein gutes Design bei uns natürlich da. Aber ich denke, das schließt sich keinesfalls aus.

Firmengründer Ernesto Gismondi ist mit seinen 84 Jahren neben seiner Frau Carlotta de Bevilacqua die treibende Kraft im Unternehmen. Was hält der Artemide-Chef eigentlich von der LED-Technologie, ohne die in Frankfurt keine Neuheit mehr auskommt?

Er ist begeistert von der neuen Technologie und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten. Schließlich kommt er aus der Luft- und Raumfahrttechnik und ist es daher gewohnt mit den neuesten Materialien und technischen Neuerungen umzugehen. Dementsprechend steht Ernesto Gismondi auch für große Innovationskraft. Bereits in den Anfangstagen hat er neue Materialien für die Leuchtenproduktion eingesetzt und mit innovativen Entwürfen sehr viel Mut bewiesen. Man muss aber auch sagen, dass der immer schnellere Technologiewandel eine große Herausforderung für das Unternehmen darstellt. Denn jede Leuchte muss in regelmäßigen Abständen – so etwa alle zwei Jahre – überholt und mit neuer Technik bestückt werden, um den Ansprüchen an eine moderne und vor allem gute Beleuchtung gerecht zu werden. Auch Tolomeo-Designer Michele de Lucchi hat mittlerweile erkannt, dass sich durch die neue Technologie ganz neue Möglichkeiten ergeben. Früher ist er zunächst immer von der Glühlampe ausgegangen und hat dann eine Leuchte entwickelt. Mittlerweile geht er ganz anders an seine Designentwürfe heran.

Frank Busch führte während der diesjährigen Light + Building in Frankfurt/Main die Gäste auch durch die eindruckvolle Artemide-Ausstellung. Foto: Prediger

Frank Busch führte während der diesjährigen Light + Building in Frankfurt/Main die Gäste auch durch die eindruckvolle Artemide-Ausstellung. Hier zu sehen: Die Pendelleuchte Chlorophilia 2 von Ross Lovegrove.

Viele verbinden den Namen Artemide mit den legendären Tischleuchten Tizio und Tolomeo. Wie erklären Sie diesen Menschen, dass Ihr Unternehmen wesentlich mehr ist und kann?

Das ist richtig. Aber beide Leuchten sind Jahrhundertentwürfe. Produkte von solcher Qualität und mit einem solch zeitlosen Design gibt es am Markt nur ganz wenige. Alle, die uns etwas genauer kennen, wissen, dass Artemide viel mehr zu bieten hat als diese beiden Leuchten. Dass wir immer wieder neue und vor allem innovative Produkte auf den Markt bringen und auch in der Breite sehr gut aufgestellt sind. Wir haben in der Unternehmensgeschichte stets bewiesen, dass wir innovative und intelligente Ideen mit modernster Technologie und erstklassigem Design verbinden können. Das ist auch in Zukunft unser Anspruch und das erwarten die Menschen natürlich von uns. Einigen unserer Produkte sieht man die Innovation auf den ersten Blick nicht sofort an, aber wenn man sich länger mit den Leuchten und ihrer Technik beschäftigt, wissen sie garantiert zu überzeugen.

Wie groß ist dennoch Ihre Hoffnung, dass es in naher Zukunft ähnlich erfolgreiche Nachfolger für die beiden Artemide-Klassiker Tizio und Tolomeo geben wird?

Beide Leuchten sind absolut außergewöhnlich. Sie sind Ikonen, die sowohl vom Markt als auch von der Kultur und vom Zeitgeist angenommen wurden und immer noch werden. Man muss sich mal vorstellen, dass die Tolomeo bald 30 Jahre alt wird. Die Umrüstung auf die LED-Technologie hat vor einigen Jahren dafür gesorgt, dass sie für die Zukunft gewappnet ist. So etwas zu kreieren ist wirklich schwer. Es gibt aber einige Artemide-Produkte, die ebenfalls sehr gut vom Markt angenommen werden. Die Demetra-Leuchte zum Beispiel, die wir hier auf der Messe in Frankfurt als Micro-Variante vorstellen. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit unserer Innovationskraft weiterhin neue Produkte erschaffen können, die einen ähnlich legendären Status wie die Tizio oder die Tolomeo erlangen. Wie diese dann aussehen werden, kann ich jetzt aber noch nicht sagen.

Deutschland gehört zu den wichtigsten Absatzmärkten von Artemide. Als Vertriebsleiter der Artemide GmbH können Sie uns sicherlich erklären, warum italienisches Leuchten-Design und damit natürlich auch Artemide bei uns so beliebt sind.

Artemide-Produkte sind einerseits sehr zeitlos, andererseits polarisieren sie aber auch. So wie zum Beispiel die Leuchte Pipe, die wir auf der Messe als LED-Variante präsentieren. Darüber hinaus tragen alle unsere Produkte eine italienische Handschrift, sind aber nie komplett italienisch, sondern immer ein Mix aus verschiedenen Kulturen. Das liegt daran, dass Artemide-Leuchten nie aus einer Feder, sondern von Designern aus der ganzen Welt stammen. Dadurch entsteht ein interessanter Mix von Einflüssen. Nehmen Sie zum Beispiel die Leuchten aus der IN-EI-Serie oder die Entwürfe von Ross Lovegrove: Beide sind nicht miteinander zu vergleichen, stehen aber dennoch für die Grundprinzipien von Artemide. Denn sie überzeugen mit einer innovativen Idee, besonderer Materialität, intelligenter Technik und natürlich einem tollen Design.

Herr Busch, vielen Dank für das interessante Gespräch.

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