François Morellet: Letzte Ausstellung des Lichtkunstpioniers in Unna

Es ist schon eine kleine Sensation, die dem Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna gelungen ist. Denn vom 24. September 2016 bis einschließlich 29. Januar 2017 zeigt das Museum im Ruhrgebiet die letzte Ausstellung des französischen Lichtkunstpioniers François Morellet, der am 11. Mai dieses Jahres im Alter von 90 Jahren verstarb. Das Besondere: Morellet hat die Ausstellung zusammen mit Museumsdirektor John Jaspers noch selbst kuratiert und das Konzept für die eigene Werksschau entworfen. Die Besucher dürfen sich von nun an vier Monate auf Lichtkunst-Installationen aus allen Phasen seines künstlerischen Schaffens freuen. Es ist eine große, Morellets letzte Retrospektive, die einen Besuch auf jeden Fall wert ist.

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François Morellet. Foto: Studio Morellet

Für das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna ist diese Ausstellung eine große Ehre und zugleich ein Abschiedsgeschenk an den im Frühsommer verstorbenen Lichtkünstler François Morellet. Der war bis zuletzt noch kreativ tätig und hat die Ausstellung maßgeblich mit vorbereitet, zu der ihn Unnas Museumsdirektor John Jaspers im Spätherbst 2015 bei einem Besuch in dessen Atelier in Cholet überredete.

Morellet hat die Ausstellung bis zu seinem Tod selbst geplant

In Unna sind sowohl Arbeiten aus Morellets Anfängen in den 1960er Jahren als auch aktuellere Werke aus den Jahren 2006 bis 2015 zu sehen. Damit wird einmal mehr deutlich, dass der am 30. April 1926 im französischen Cholet geborene Künstler das Genre der Lichtkunst mitbegründet und viele Künstler-Generationen inspiriert hat. François Morellet suchte schon früh nach einem neuen Medium des Ausdrucks und verwendete für seine Kunst bereits ab 1963 als Arbeitsmaterial Leuchtstofflampen. Zunächst schuf er damit Objekte, in denen die Lampen ein- und ausgeschaltet wurden. Ab den 1980er Jahren ging er dann aber dazu über, die Leuchtstofflampen auch mit anderen Materialien wie Holz, Aluminium oder Acrylfarbe zu kombinieren. Der Lichtkunstpionier erklärte, warum er vorrangig auf dieses Leuchtmittel setzte, einmal so:  „Neon beschäftigt mich intensiv. Es ist ein hartes und kaltes Material, das ich mag und das es mir ermöglicht, mit Elementen wie Zeit und Rhythmus zu arbeiten.“

Morellet-Ausstellung läuft vom 24. September 2016 bis 29. Januar 2017 in Unna

François Morellet wiederholt in seinen Arbeiten eine scheinbar emotionslose Rationalität gekürzter Linien, konstruktivische Gitter-Muster und bringt beides immer wieder mit kühlem Neonlicht in Einklang. „Ich liebe die Strenge der Geometrie, aber noch mehr liebe ich es, alle Strenge zu ignorieren“, erklärte der Franzose einmal. Morellet brachte mit Hilfe von Licht eine gewisse Ordnung ins Chaos, nur um durch ironische und zufällige Strategien wieder Chaos in der Ordnung zu erwirken und in diesem Sinne die Absurdität des Lebens aufzuzeigen. Mit seiner rigorosen Verwendung abstrakter Geometrie neigte François Morellet dazu, emotional neutrale, aber trotzdem überaus ästhetische Werke zu erschaffen, die nahe an der Perfektion sind. Irgendwo zwischen Minimalismus und Konzeptkunst. Wer sich davon selbst überzeugen will, dem sei ein Besuch im Zentrum für Internationale Lichtkunst am Lindenplatz 1 in Unna empfohlen. Dort wird die Ausstellung am 24. September 2016 feierlich eröffnet.

François Morellet hat diese Installation von 2001/2002 "No End Neon (Pier and Ocean)" genannt, die ab dem 24. September 2016 ebenfalls in Unna zu sehen sein wird. Foto: Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna

François Morellet hat diese Installation von 2001/2002 „No End Neon (Pier and Ocean)“ genannt, die ab dem 24. September 2016 ebenfalls in Unna zu sehen sein wird. Foto: Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna

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