Designklassiker Teil 3: Die Bogenleuchte Arco von Flos

Sie gilt nicht nur aufgrund ihres Namens als Prototyp der Bogenleuchte und ist gleichzeitig nicht weniger als eine der Ikonen des Industriedesigns: Die Arco vom italienischen Hersteller Flos. Die Brüder Pier Giacomo und Achille Castiglioni entwarfen die Arco bereits im Jahre 1962 – spätestens in den 1970er Jahren prägte sie dann das Bild in unzähligen Wohnzimmern auf der ganzen Welt. Auch 55 Jahre nach der Markteinführung sorgt sie vielerorts immer noch für gutes Licht und ist weiterhin einer der absoluten Topseller von Flos. Grund genug also, diesen Designklassiker etwas genauer vorzustellen.

Schon aufgrund ihrer Größe absolut beeindruckend, dabei punktet die Bogenleuchte Arco von Flos seit 1962 auch noch mit einer bemerkenswerten Funktionalität sowie einem unverwechselbaren Design. Alle Fotos: Flos

Wie so viele Leuchten entstand auch die Arco 1962, um endlich ein Problem der Zeit lösen zu können: Schließlich gab es damals neben Steh- und Tischleuchten nur noch Decken- oder Pendelleuchten, die einen Stromauslass in der Decke benötigten. Um jedoch die Zimmerdecke bei der Montage nicht mehr beschädigen zu müssen, ließen sich die Brüder Pier Giacomo und Achille Castiglioni in ihrem Mailänder Büro für Design etwas zur damaligen Zeit Bahnbrechendes einfallen – die Bogenleuchte Arco .

Revolutionäres Design: Arco ist Steh- und Deckenleuchte in einem

Arco ist sowohl Steh- als auch Deckenleuchte. Denn sie kommt ganz ohne einen Stromauslass in der Decke aus und sorgt neben dem Esstisch oder in der Sofaecke trotzdem für ausreichend direktes Licht. Das liegt an der Bogenform (italienisch: Arco) des ausladenden Leuchtenarms aus rostfreiem Stahl. Darin versteckt sich übrigens die Stromzuleitung. Außerdem besteht der Bogen aus drei Teilen, die teleskopartig ineinander gesteckt bzw. auseinander gezogen werden können. So lässt sich die Arco Bogenleuchte auf bis zu 2,32 Meter in der Höhe und 2,20 Meter in der Breite ausziehen, was schließlich einen beachtlichen Beleuchtungsradius ermöglicht. Zusätzliche Flexibilität ist durch den schwenkbaren, runden Leuchtenkopf gegeben – damit kann das Licht genau dorthin ausgerichtet werden, wo es benötigt wird.

Der endgültige Durchbruch gelang der Arco von Flos in den 1970er Jahren. Bis heute hat die markante Bogenleuchte ihren festen Platz in modern aber auch klassisch eingerichteten Wohn- und Esszimmern.

Standfest: Marmor-Sockel der Arco Bogenleuchte wiegt 65 kg

„Wir dachten an eine Leuchte, die Licht auf den Tisch projiziert: Davon gab es bereits einige, aber man musste stets von hinten an der Leuchte vorbei. Damit die Leuchte ausreichend Raum um den Tisch gewährte, musste der Sockel mindestens zwei Meter Abstand zum Tisch halten. So war die Idee des Bogens geboren“, erklärte Achille Castiglioni 1970 in einem seiner wenigen Interviews. Doch um der ausladenden Bogen-Konstruktion die nötige Stabilität zu verleihen, brauchte die Leuchte einen besonders schweren Fuß. Die Castiglioni-Brüder wollten diesen zunächst aus Beton gießen, entschieden sich dann aber doch für einen 65 kg schweren Block aus hochwertigem Carrara-Marmor. Einfach weil der Marmor-Fuß bei gleichem Gewicht deutlich weniger Raum einnahm, besser zu bearbeiten war und sich als kostengünstigere Variante herausstellte, die obendrein auch noch wesentlich eleganter aussieht.

Der 65 kg schwere Leuchtenfuß der Arco besteht aus hochwertigem Carrara-Marmor und sorgt damit trotz der großen Ausladung des Leuchtenarms aus rostfreiem Stahl für einen felsenfesten Stand der Bogenleuchte.

Schlichtes, Funktionales Design mit umwerfender Wirkung

Den rechteckigen Marmorblock der Arco designten die Castiglioni-Brüdern fast ausschließlich nach praktischen Gesichtspunkten. Denn das Marmor bietet eine besonders gute Standfestigkeit. Darüber hinaus wurden die Ecken abgerundet, damit sich daran niemand stoßen kann. Außerdem frästen sie in den Sockel ein Loch. Dadurch lässt sich zum Beispiel ein Besenstiel schieben, mit dessen Hilfe die knapp 70 kg schwere Arco zu zweit wesentlich leichter verrückt bzw. angehoben werden kann. Dass die Marmor-Oberfläche die wertige Optik der Arco Bogenleuchte zudem noch besonders gut betont, spielte für die Designer aber auch eine nicht ganz unwesentliche Rolle.

Der Leuchtenarm besteht aus drei Teilen, die eteleskopartig ineinander gesteckt sind bzw. sich ausziehen lassen. Seit einiger Zeit stellt Flos die beliebte Arco Bogenleuchte übrigens auch mit moderner LED-Technik her.

Viel mehr als die Arco: Der Name Castiglioni steht für Qualität

Schlicht, funktional und auf das Wesentliche reduziert: Das war bzw. ist der Designstil der Castiglioni-Brüder, die auch heute noch zu den bedeutendsten italienischen Designern der Nachkriegszeit zählen. Pier Giacomo und Achille Castiglioni studierten Architektur am legendären Polytechnikum in Mailand und gründeten 1944 schließlich ihr legendäres Design-Studio in ihrer Heimat- und Geburtsstadt. Dort entstanden unter anderem auch die Entwürfe für die Arco Bogenleuchte, die 1972 in die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) aufgenommen wurde, aber auch für die heute noch erhältlichen, sehr beliebten Stehleuchten Toio sowie für die Tischleuchten Taccia und Snoopy.

Über dem Tisch in der Sofaecke spielt die Bogenleuchte Arco von Flos ihre ganzen Stärken aus. Dank ihres schlichten, zeitlosen Designs fügt sich der beliebte Designklassiker problemlos in alle Umgebungen ein.

Achille Castiglioni arbeitete bis in die 1990er Jahre für Flos

Nach dem frühen Tod von Pier Giacomo Castiglioni am 27. November 1968 führte dessen Bruder Achille die Zusammenarbeit mit dem Leuchten-Hersteller Flos bis weit in die 1990er Jahre fort und kreierte während dieser Zeit zahlreiche weitere legendäre Leuchten. Zum Beispiel die Parentesi Pendelleuchte (1970), die Lampadina Tischleuchte (1972), die Frisbi Pendelleuchte (1978) oder die Fucsia Pendelleuchte (1996). Achille Castiglioni starb schließlich am 6. Dezember 2002 im Alter von 84 Jahren. Der Nachwelt hat er zusammen mit seinem Bruder Pier Giacomo viele Leuchten-Klassiker hinterlassen, durch die das Unternehmen Flos in den vergangenen knapp 60 Jahren Weltruhm erlangte.

Der ikonische, bogenförmige Leuchtenarm der legendären Arco lässt sich ausziehen, außerdem ist der runde Leuchtenkopf schwenkbar, so dass sich das Licht jederzeit dorthin ausrichten lässt, wo es gebraucht wird.