Designklassiker Teil 14: Taccia von Flos

Sie gilt als eine der großen Leuchtenikonen des italienischen Designs. Kein Wunder, dass man die Taccia heutzutage nicht nur in der ständigen Sammlung im Museum for Modern Art bewundern kann, sondern dass sie auch unzählige Privatwohnungen mit ihrem zauberhaften Licht erstrahlen lässt. Mit der Taccia haben die Designer-Brüder Achille und Pier Giacomo Castiglioni dem italienischen Hersteller Flos einen echten Klassiker beschert. Höchste Zeit also, die Geschichte hinter der Tischleuchte zu erzählen.

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Die Taccia kann auch heute noch mit ihrem zeitlosen Design überzeugen. Foto: Prediger Lichtberater

Fast wäre aus der Taccia nichts geworden. Aber zum Glück nur fast. Als die beiden Brüder Achille und Pier Giacomo Castiglioni die Taccia nämlich 1958 entwarfen und ein Jahr später am Illinois Institute of Design den Prototyp vorstellten, bestand die charakteristische transparente Leuchtenschale noch aus Plastik. Es gab nur ein Problem: aufgrund der starken Wärmeentwicklung der Glühbirne, dem ursprünglichen Leuchtmittel, das sich die im antik anmutenden Sockel verbarg, schmolz das Plastik.

Ein Umstand, der Achille Castiglioni auch 1987 noch zum schmunzelnden Staunen brachte, wie eine historische Audio-Aufnahme von Flos belegt: „Als wir das Material getestet haben, konnten wir sehen, wie sich das Plastik von der Form, die wir ihm gegeben hatten, wieder in seine Ursprungsform zurückverwandelte. Nämlich in die von einem flachen Blatt.“

Taccia damals und heute

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Ob nun mit Leuchtenschale aus Glas oder Kunststoff – die Taccia macht überall eine gute Figur. Foto: Gionata Xerra/Flos

Schmelzende Leuchten lassen sich logischerweise nicht gut verkaufen. Also stiegen die Castiglioni-Brüder, die inzwischen mit dem Leuchtenhersteller Flos zusammenarbeiteten, um die Taccia zur Marktreife zu bringen, auf Glas um. Aber nicht irgendein Glas! Seit 1962, als die erste Leuchte verkauft wurde, bis heute besteht die Leuchtenschale aus mundgeblasenem Muranoglas. Hochwertiger geht es nicht. Inzwischen ist die Taccia mit einer energieeffizienten LED ausgestattet, sodass es keine Probleme mehr mit der Wärmeentwicklung gibt und es neben der Variante aus Glas nun auch eine aus Kunststoff gibt. Wobei das Design bei beiden nicht verändert wurde. Deswegen findet man an dem prägnanten Leuchtensockel nach wie vor die Lüftungslöcher für die Wärmeabfuhr.

Auch an der magischen Wirkung der Leuchte hat sich bis heute nichts geändert. Und das liegt an dem ausgeklügelten Design selbst: das im Sockel verborgene Leuchtmittel gibt das Licht direkt nach oben ab, wo es von einem konisch geformten Aluminiumreflektor durch das Muranoglas in den Raum geleitet wird. Das Licht wird also zuerst vom Aluminium reflektiert und dann durch das Glas gebrochen, wodurch es absolut entblendet wird und besonders diffus und damit atmosphärisch strahlt. Ein wunderschöner Effekt, der sehr schnell weltweit Liebhaber fand.

Die Taccia und die Postmoderne

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Designliebhaber auf der ganzen Welt wissen die kontrastreiche Formsprache sehr zu schätzen. Foto: Prediger Lichtberater

Wobei sich aber auch das Design selbst von Beginn an einer enorm großen Beliebtheit erfreute – und dieses auch noch immer tut. Gerade die Kombination von Industrieästhetik und antiker Anmutung sorgen für eine besonders kontrastreiche Spannung, deren Faszination man sich nur schwer entziehen kann. Designexperten waren sich deswegen schnell einig, dass die Castiglioni-Brüder mit der Taccia die ironische Formsprache der Postmoderne vorweggenommen hätten. Ein Umstand, über den Achille Castiglioni selbst 1987 noch herzhaft lachen konnte: „Das ist wirklich lustig. Denn meinem Bruder und mir lag damals nichts ferner, als eine postmoderne Leuchte zu entwerfen. Schließlich wurden unsere kranken Gehirne aus dem Geiste des Rationalismus der norditalienischen Architekturschule heraus geboren. Diese Art des Denkens war uns also vollkommen fremd.“

Ob nun postmodern oder nicht – die Taccia ist bis heute eine der beliebtesten Leuchten der Welt, die nichts von ihrer ursprünglichen Anziehungskraft eingebüßt hat und bei designaffinen Menschen deswegen immer noch großen Anklang findet. Wenn Sie jetzt auf die legendäre Tischleuchte neugierig geworden sind, finden Sie die verschiedenen Varianten der Taccia in unserem Online-Shop. Oder schauen Sie sich das Design in Ruhe in unseren Showrooms an. Unsere Lichtberater in Hamburg, Berlin und Düsseldorf freuen sich auf Ihren Besuch!