Designerinnen im Fokus

Zugegeben: Leuchtendesign ist ein sehr männerdominiertes Geschäft. Aber auch wenn man sie suchen muss: Es gibt sie, die Frauen, die sich mit ihren außergewöhnlichen Designs einen Namen in der Branche gemacht haben. Das Lichtjournal stellt drei von ihnen vor: Marianne Brandt, Patricia Urquiola und Cecilie Manz.

Marianne Brandt (Foto: Tecnolumen)
Marianne Brandt (Foto: Tecnolumen)

Designpreise gelten oft als Ausweis der Qualität der Preisträger. Eine noch größere Auszeichnung allerdings ist es, wenn ein Preis nach einem benannt wird. Seit dem Jahr 2001 wird dreijährlich in Chemnitz der Marianne Brandt -Preis verliehen. Und er ehrt damit eine Designerin, Fotografin, Malerin und Bildhauerin, die zu den bedeutendsten und bekanntesten des Bauhauses in Weimar und Dessau zählt.

Ikone des Bauhaus: Marianne Brandt

Als Marianne Liebe kam die Künstlerin 1893 im Chemnitz zur Welt. Schon früh wurden ihre künstlerischen Interessen gefördert. 1911 zog sie nach Weimar und besuchte die Fürstliche freie Zeichenschule, später die Hochschule für Bildende Kunst. 1919 verließ sie die Hochschule und heiratete einen ehemaligen Kommilitonen, den norwegischen Maler Erik Brandt. Nach Aufenthalten in Norwegen und Frankreich lebte Marianne Brandt ab 1922 – ohne ihren Mann – wieder in Weimar. 1923 begann sie dort ihre Ausbildung am Staatlichen Bauhaus. 1926 legte sie ihre Gesellenprüfung in der Metallwerkstatt ab und wurde stellvertretende Leiterin derselben. In den folgenden Jahren schuf Brandt zahlreiche Entwürfe, darunter 28 Lampenmodelle, von denen nicht wenige heute als Design-Klassiker gelten. Ihr Stil: eine Verbindung von Ästhetik und Funktionalität, von bildender und angewandter Kunst. 1935 wurde Marianne Brandt von ihrem Mann geschieden . Nach dem Krieg lehrte und arbeitete sie in Dresden und Berlin. 1954 kehrte Brandt in ihre Geburtsstadt zurück und widmete sich wieder der Malerei. 1983 starb Marianne Brandt im Alter von 89 Jahren nahe Zwickau.

Marianne Brandt schuf für die Leipziger Firma Körting & Mathiesen unter dem Markennamen „Kandem“ zahlreiche Lampen und Leuchten. Einige von Brandts Entwürfen, die durch ihre klaren geometrischen Formen bestechen, werden noch heute von Tecnolumen hergestellt und vertrieben.

Patricia Urquiola (Foto: Ruy Teixeira)
Patricia Urquiola (Foto: Ruy Teixeira)

Leicht und verspielt: Patricia Urquiola

1961, als Marianne Brandt bereits im Design-Ruhestand war, wurde Patricia Urquiola im spanischen Oviedo geboren. Designerin wollte die Spanierin eigentlich nicht werden: Mit 18 Jahren beginnt Urquiola ein Architektur-Studium im Madrid, wo sie die Begeisterung der Fakultät für die Postmoderne ganz und gar nicht teilt. Kein Zufall also, dass ausgerechnet zwei Gastdozenten Urquiola prägten: der portugiesische Architekt Alvaro Siza, dessen Ansatz, auf regionale Gegebenheiten einzugehen, sie faszinierte; und der italienische Designer Achille Castiglioni, von dem sie lernte, persönlich und intuitiv an Projekte heranzugehen. Bei letzterem studierte sie dann doch Industriedesign und gehört heute zu den einflussreichsten und vielseitigsten Designerinnen überhaupt. Sie gestaltet Leuchten (unter anderem für Flos und Foscarini ), Möbel, Hotel, Ausstellungen und Häuser. Ihre Entwürfe besitzen eine Leichtigkeit und Verspieltheit, die sie angenehm abheben von den gerne technisch-strengen Designs ihrer männlichen Kollegen. „Möbel sind die Werkzeuge fürs Wohnen, fürs Leben. Sie müssen Spaß machen“, zitiert die Zeitschrift „Architektur & Wohnen“ Urquiola bei einem Interview 2012. Oder, negativ ausgedrückt: Wer rechte Winkel mag, sollte um Entwürfe von Patricia Urquiola einen großen Bogen machen. Seit 2008 ist Patricia Urquiola Trägerin des „Orden de Isabel la Católica“, mit dem das spanische Königshaus Verdienste um Kunst und Wissenschaft ehrt.

Cecilie Manz (Foto: Rasmus Skovsen)
Cecilie Manz (Foto: Rasmus Skovsen)

Minimalismus im Detail: Cecilie Manz

Ebenfalls als Ordensträgerin darf sich Cecilie Manz vorstellen: Die Dänin trägt den „Ordre des Arts et des Lettres“ des französischen Kulturministeriums. Er wird verliehen für besondere Verdienste um Kunst oder Literatur in Frankreich und in der Welt, und 2019 wurde Manz mit ihm ausgezeichnet. Es ist bislang die jüngste in einer langen Reihe von Auszeichnungen und Preisen, die die 1972 geborene Designerin ihr Eigen nennen darf. Ihr Handwerk hat die sie auf der Royal Danish Academy of Fine Arts gelernt, seit 1998 leitet Cecilie Manz ihr eigenes Studio in Kopenhagen. Dort arbeitet sie allein, zeichnet ganz altmodisch auf Papier und verleiht den Entwürfen in der Werkstatt im Keller ihre Form, neben Leuchten etwa für Fritz Hansen auch Möbel und Accessoires. Müsste man ihren Stil mit einem Wort beschreiben, so wäre „Minimalismus“ das treffendste. Ihre Stücke sind schlicht, ohne einfach zu sein, funktional, ohne darüber die Form zu vergessen. Manz‘ Minimalismus liegt im Detail. Und mit diesem gelingt es ihr immer wieder aufs Neue, dem skandinavischen Design trotz seiner langen Tradition noch neue Elemente hinzuzufügen.

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