Das Internationale Jahr des Lichts strahlt weit in die nächsten Jahre aus

Einen Monat ist das neue Jahr nun schon wieder alt – und das Internationale Jahr des Lichts, das die UNESCO für 2015 ausgerufen hatte, dementsprechend Geschichte. Grund genug, im Rahmen eines Experteninterviews zusammen mit Prof. Dr. Andreas Buchleitner, dem Vorsitzenden der Deutschen Kommission für die Koordination des Internationalen Lichtjahrs, abschließend Bilanz zu ziehen und auf spannende Aktionen sowie Veranstaltungen im Jubiläumsjahr zurückzublicken.

Prof. Dr. Andreas Buchleitner vom Department for Quantum Optics and Statistics des Physikalischen Instituts der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg war der Vorsitzende der Deutschen Kommission für die Koordination des Internationalen Jahr des Lichts der UNESCO. Foto: Deutsche Physikalische Gesellschaft

Prof. Dr. Andreas Buchleitner vom Department for Quantum Optics and Statistics des Physikalischen Instituts der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg war der Vorsitzende der Deutschen Kommission für die Koordination des Internationalen Jahr des Lichts der UNESCO. Foto: Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG)

Prediger Lichtberater: Herr Prof. Dr. Buchleitner, das Internationale Jahr des Lichts ist vorbei. Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?

Herr Prof. Dr. Buchleitner: Bundesweit fanden in Deutschland über 700 Veranstaltungen zum Jahr des Lichts statt. Es waren nicht nur erstaunlich viele, sondern ebenso bunte und innovative Feste, Tagungen sowie Events, die sich mit allen Aspekten des Lichts beschäftigten: Mit der Technologie, der Wissenschaft, der Natur oder der Kultur. Das verdeutlicht, wie wichtig Licht in all seinen Aspekten für uns Menschen ist.

Prediger Lichtberater: Welche Veranstaltungen aus dem vergangenen Jahr bleiben Ihnen in besonders guter Erinnerung?

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Herr Prof. Dr. Buchleitner: Das Jahr des Lichts wurde in der Öffentlichkeit stark wahrgenommen. Es begann mit einer fulminanten Eröffnung Anfang vergangenen Jahres im Deutschen Museum in München. Ein besonderes Highlight war ebenso das Wissenschaftsfestival „Highlights der Physik“, das die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) jedes Jahr zusammen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veranstaltet.

In diesem Jahr stand es ganz im Zeichen des Lichts und lockte weit über 50.000 Besucherinnen und Besucher nach Jena.
Auf große Resonanz stieß ebenso der Schulwettbewerb Kettenreaktion, den die DPG gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausschrieb.

Über 800 Schülerinnen und Schüler aus 193 Teams von mehr als einhundert Schulen haben sogenannte Incredible Light Machines gebaut und in Gang gesetzt. Passend zum Jahresmotto musste Licht eine wichtige Rolle darin spielen.
Auch der lehrreiche Adventskalender „PiA – Physik im Advent“ stand in diesem Jahr ganz im Zeichen des Lichts. Zusammen mit der Universität Göttingen bot die Deutsche Physikalische Gesellschaft mit PiA allen Menschen physikalische Unterhaltung, bei der Groß wie Klein etwas lernen konnten. Im vergangenen Jahr richtete sich PiA ebenso an Flüchtlingskinder. Mehrere hundert Helferinnen und Helfer führten in bundesweit knapp zwanzig Notunterkünften oder Erstaufnahmeeinrichtungen PiA-Experimente vor und regten zum spielerischen Nachmachen an. Das Leuchten in den Augen von Kindern zu sehen, war eine tolle Erfahrung.

 

Prediger Lichtberater: Auf der ganzen Welt gab es 2015 unzählige Veranstaltungen zum Thema Licht. Welchen Stellenwert hat Deutschland im internationalen Vergleich eingenommen?

Herr Prof. Dr. Buchleitner: Nach Angaben der UNESCO-Kommission standen mehr als 100 Organisationen in über 85 Ländern Pate für das Internationale Jahr des Lichts. Die Deutsche UNESCO-Kommission versicherte uns, dass das Internationale Jahr des Lichts nirgendwo auf der Welt so dynamisch und vielfältig gefeiert wurde wie in Deutschland.

Prediger Lichtberater: Können Sie schon absehen, wie das Jahr des Lichts national und international nachwirkt?

Herr Prof. Dr. Buchleitner: Von Deutschland gingen wichtige internationale Impulse aus. Es fanden große Events und Konferenzen statt. Zudem lud die DPG Gäste aus aller Welt in ihre Hauptstadtrepräsentanz, das Magnus-Haus Berlin, um dort Erfahrungen auszutauschen, die jeder bei der Organisation des Internationalen Jahr des Lichts in seinem jeweiligen Land machte.
Es ist uns zudem gelungen – jedenfalls zu gewissem Grade –, am Beispiel des Lichts die Relevanz von Wissenschaft nicht nur utilitaristisch – also nutzungsorientiert – im Kontext von Spitzentechnologie und Wirtschaft, sondern eben auch zivilisatorisch im Kontext von Bildung, Kunst und Kultur darzustellen. Das Jahr ist nun zwar vorbei, es strahlt aber sicherlich noch weit in die nächsten Jahre aus – und in vielfältige Richtungen.

Prediger Lichtberater: Als Vorsitzender des Deutschen Komitees für das Internationale Jahr des Lichts hatten Sie in den zurückliegenden Monaten zahlreiche Veranstaltungen zu koordinieren, das Thema Licht war für Sie also allgegenwärtig. Bleibt das auch in Zukunft so?

Herr Prof. Dr. Buchleitner: Von meiner wissenschaftlichen Ausbildung her bin ich Quantenoptiker, ich beschäftige mich daher sicher auch in Zukunft mit Grundlagenfragen zur Quantennatur des Lichts und zu deren Konsequenzen für die Wechselwirkung von Licht mit Materie. Hinzu kommt ein gewisses Faible für theologische und philosophische Fragen, wo dem Licht eine große metaphorische Rolle zukommt. Schließlich leben wir in unruhigen Zeiten und nicht jeder lebt auf der Sonnenseite, so dass wir auf lichte Momente und Klarheit dringend angewiesen sind – und daher sind wir auch aufgefordert, diesen nach Kräften zur Geltung zu verhelfen.

Prediger Lichtberater: Erklären Sie kurz, was Sie am Thema Licht besonders fasziniert.

Herr Prof. Dr. Buchleitner: Die unmittelbare Erfahrbarkeit, die Klarheit von Farben, die belebende Wirkung sowie die daher meines Wissens allen Kulturen unmittelbar einsichtige Metaphorik des Lichts.

Prediger Lichtberater: Warum ist Licht auch in Zukunft ein wichtiges Thema für den Alltag und natürlich auch für Wissenschaft und Forschung?

Herr Prof. Dr. Buchleitner: Eine der wichtigsten Aufgaben von Wissenschaft und Forschung besteht darin, unsere Neugierde zu stillen, wie die Welt um uns herum funktioniert und wie alles miteinander zusammenhängt. Außerdem erhoffen wir uns von Forschung und Technik, dass sie das Leben der Menschen freier, sicherer, in gewisser Weise angenehmer machen.

Licht erlaubt es, die Nacht zum Tage zu machen, gewährt vertieften Einblick in die Natur und bietet vielerlei Möglichkeiten, diese zu gestalten.

Generell ist Licht ein sehr mächtiges Instrument der Wissenschaft und Forschung. Zudem prägt es außerordentlich viele Gebiete der Technik. Die sogenannte Photonik spielt für die Informationsgesellschaft, den Life-Science-Bereich oder im Klimaschutz eine herausragende Rolle. So bilden Lichtimpulse das Rückgrat des globalen Internets. Satellitentelefone und kabellose Technologien ermöglichen auch an den entlegensten Gebieten der Welt Zugang zu Kommunikation und Information. Hochgenaue optische Messinstrumente erlauben uns die Vermessung unserer Umwelt.
Ein besseres Verständnis der Wechselwirkung von Licht mit komplexer Materie hilft, den weltweiten Ausstoß von Treibhausgas zu reduzieren, womöglich durch Photovoltaik oder neue Formen von „grüner“ Beleuchtung, wie zum Beispiel durch energieeffiziente Leuchtdioden (LEDs) oder organische LEDs (OLEDs). Darüber hinaus ist Lichttechnik essentiell, um medizinische Diagnostik und Bildgebung oder auch die medizinische Behandlung von Menschen zu verbessern. Mit Fug und Recht gilt heute wie in Zukunft: Licht prägt! Seine technischen Anwendungen gestalten und verändern unser Leben.

 

Prediger Lichtberater: Herr Prof. Dr. Buchleitner, vielen Dank für das freundliche und aufschlussreiche Gespräch!

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