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Wahrnehmungsorientierte Lichtplanung

Richard Kelly

Schon in den fünfziger Jahren beschrieb Richard Kelly die unterschiedlichen Funktionen des Lichts bei der Vermittlung von Informationen. Er definierte aus seinen Forschungen drei grundlegende Formen des Lichts. Licht zum Sehen umfasst für ihn die Allgemeinbeleuchtung, also die Bereitstellung von Umgebungslicht, um ein einfache Orientierung im Raum, das Erkennen der Objekte zu ermöglichen. Diese Form deckt sich stark mit den Ansätzen einer quantitativen Lichtplanung.

Um eine Ausdifferenzierung der Räumlichkeit und eine größere Orientierung zu erlangen, benötigt man das Licht zum Hinsehen. Es baut auf dem Grundniveau des Lichts zum Sehen auf. Es wird fokussierend eingesetzt und ist damit aktiv an der Vermittlung von Informationen beteiligt. Durch ein differenzierte Helligkeitsverteilung im Raum können Bereich hervorgehoben oder zurückgenommen werden. Eine helle Wand hinter einem Empfangstresen, eine Beleuchtung des Hauptausgangs vermitteln eine subtile Strukturierung des Raums. Auch das Betonen von Objekten und Waren zählt zu den ordnenden Eigenschaften dieser Form des Lichts.

Die dritte Form, das Licht zum Ansehen, kann durch Brillanzeffekt oder Farbigkeit selbst einen Informationsgehalt enthalten. Die spiegelnden oder lichtbrechenden Reflexionen an einem Kristallleuchter verleihen einem Raum die subtil erlebbaren Beleuchtungsakzente. Diese Form des Lichts weist nicht nur auf eine Information im Raum hin, sondern überträgt selber eine meist emotionale Stimmung oder psychologische Information.

William Lam

Zwei Jahrzenhte später formuliert William Lam einen Kriterienkatalog, der kontextorientiert eine Beschreibung der Anforderungen an eine Beleuchtungsanlage beschreibt. Seine Tätigkeitsanforderungen, activity needs, decken sich weitestgehend mit denen aus der quantitativen Lichtplanung. Es sollen optimale Bedingungen für die jeweilige Tätigkeit durch eine funktionale Beleuchtung geschaffen werden. Dabei fordert er anders als die quantitative Lichtplanung eine Analyse aller auftretenden Sehaufgaben nach Ort, Art und Häufigkeit.  

Viel wichtiger sind aber die psychologischen Anforderungen, die biological needs, für sein Konzept. Im Gegensatz zu den bewußten Tätigkeiten, die auf eine Funktionalität einer visuellen Umgebung zielen, sind psychologische Anforderungen unbewußte Bedürfnisse. Sie sind ausschlaggebend für die emotional Bewertung einer Umgebung, das Wohlbefinden in einer Beleuchtungssituation.

Als erste psychologische Anforderung nennt Lam die eindeutige Orientierung. Damit ist nicht nur die räumlich Begreifbarkeit gemeint, das heißt Ziele im Raum und Wege dorthin. Zur Orientierung gehören auch das Wahrnehmen der Tageszeit, des Wetters oder das Geschehen in der Umgebung. Fehlen diese Informationen der Umwelt, z.B. in großen Kaufhäusern ohne Fenster, kann die Umgebung als künstlich und bedrückend empfunden werden.

Überschaubarkeit und Verständlichkeit der umgebenden Strukturen stellen eine weitere psychologische Anforderung dar. Ein entscheidendes Gefühl der Sicherheit vermittelt die Sichtbarkeit aller Raumbereiche durch eine strukturierte Beleuchtung. Dunkle Bereiche und unübersichtliche Sitautionen führen zu Mißstimmungen. Durch einen Blickpunkt, in Form eines angestrahlten Kunstwerks, kann die Betonung der traditionellen Sehaufgaben verlassen werden und für die nötige Spannung und Entspannung in der visuellen Umgebung gesorgt werden.

Als letzte Anforderung nennt Lam die Balance zwischen Kommunikation und Privatheit des Menschen. Beide Extreme werden vom Menschen als negativ empfunden. Die räumliche Umgebung sollte eine kommunikative Interaktion zulassen und trotzdem private Raumbereich bereitstellen. 

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