100 Jahre Bauhaus: Unsterbliche Leuchten-Ikonen

Für Designliebhaber gibt es 2019 vor allem ein zentrales Thema – das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum. Nicht nur rund um den 1. April, dem offiziellen Gründungstag, ranken sich weltweit Ausstellungen und Vorträge rund um das Design und die Architektur dieser legendären Institution, deren elementare Lehren bis in die Gegenwart hinein wirken.

100 Jahre Bauhaus, Prediger Lichtjournal

Über das Bauhaus wird derzeit viel gesprochen und in unzähligen Design- und Interior-Magazinen geschrieben. Nämlich wie sich das Bauhaus als logische Konsequenz aus den beiden Kunstgewerbeschulen in Weimar heraus entwickelte; warum laut Walter Gropius das gemeinsame Bauen das universelle Ziel der Bauhaus-Lehre war; wie sehr hier Lehre und Praxis miteinander verknüpft wurden; warum das Bauhaus auf den Trümmern des Kaiserreichs einen „neuen Menschen“ planen, entwerfen und bauen wollte; warum fast alle weiblichen Schüler in der Weberei landeten und keine einzige Frau im Bereich Architektur zugelassen war; wie es zu dem Umzug nach Dessau und später nach Berlin kam; wieso sich die Lehre im ständigen Wandel befand; warum Gropius die Leitung aufgab, Hannes Meyer nach wie vor als der „unbekannte Bauhaus-Direktor“ gilt und wie Mies van der Rohe das Bauhaus mit autoritärem Stil umformte und vor den Nazis zu schützen versuchte, bevor auch er 1933 in Berlin endgültig aufgab.

Und natürlich: Dass Walter Gropius von Anfang an daran gelegen war, aus dem Bauhaus eine GmbH zu machen, um irgendwann nicht mehr auf die staatlichen Fördergelder angewiesen zu sein. Einen Traum, den er erst 1925 in Dessau umsetzen konnte, obwohl er bereits in Weimar Entwürfe der Bauhaus-Schüler kaufte, um diese später industriell fertigen zu lassen. Das Bauhaus sollte profitabel sein. Ein Wunsch, der weder bei Gropius noch bei seinen beiden Nachfolgern Meyer und van der Rohe in Erfüllung gehen sollte. Allein die Weberei, die nicht nur in den Anfangszeiten als Frauensammelbecken diente, um die Schülerinnen aus den anderen Werkstätten heraus zu halten, konnte schon recht früh dank der Industrialisierung dieser Handwerkskunst Gewinne abwerfen. Neben der Weberei gab es aber noch einen weiteren Bereich, der mit der Industrie zusammenarbeitete. Die Metallwerkstatt. Womit wir jetzt das Kapitel der Bauhaus-Leuchten aufschlagen.

Das Bauhaus und Wilhelm Wagenfeld

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Die Wagenfeld-Leuchte ist heute die Bauhaus-Ikone schlechthin. Foto: Tecnolumen

Denn in genau dieser Metallwerkstatt entstanden die legendären Leuchten, die auch heute noch Ikonen sind. Allen voran die Leuchte von Wilhelm Wagenfeld. Heutzutage gilt die Wagenfeld-Leuchte als Bauhaus-Klassiker schlechthin und ist aus vielen Wohnzimmern ebenso wenig wegzudenken, wie aus zahlreichen Museen. An solch einen enormen Erfolg wagte Wilhelm Wagenfeld gar nicht zu denken, als er 1923 von seinem Werkstattmeister László Moholy-Nagy den Auftrag erhielt, nach den Vorarbeiten von K. J. Jucker dessen Leuchte fertigzustellen. Moholy-Nagy, damals frisch als Meister in der Metallwerkstatt eingesetzt, brachte seinen Bereich damit auf ein neues Level, denn traditionell gehörten Leuchten eigentlich nicht zu dem Aufgabengebiet. Er aber begeisterte seine Schüler für dieses Segment und ließ sie auch mit kontrastreichen Materialen experimentieren. So kamen plötzlich etwa Metall und Glas zusammen.

Genau nach diesem Prinzip arbeitete auch Wagenfeld, dessen Leuchte ab 1924 in den bis heute bestehenden zwei Versionen angeboten wurde: entweder mit Metallschaft und – fuß (WA 24)oder mit Glasschaft und –fuß (WG 24). Die Wagenfeld-Leuchte wurde noch im selben Jahr in kleiner Stückzahl für die Leipziger Herbstmesse produziert. Die Resonanz auf die Leuchte und auch die anderen dort gezeigten Bauhaus-Designs war aber nicht sonderlich positiv, wie Wagenfeld selbst berichtete: „Händler und Fabrikanten spotteten über unsere Erzeugnisse. Die sähen zwar billig aus wie Maschinenarbeit, wären aber teures Kunsthandwerk. Die Einwendungen waren richtig.“

Wiederentdeckung einer Leuchten-Ikone

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Wilhelm Wagenfeld entwarf die berühmte Bauhaus-Leuchte. Foto: Tecnolumen

Ein doch recht vernichtendes Urteil, das alles andere als einen kommerziellen Erfolg versprach. Hinzu kam, dass die Leuchte tatsächlich in aufwendiger Handarbeit hergestellt werden musste – und dementsprechend teuer war. Schnell verschwand sie deswegen in der Versenkung. Oder präziser: die nächsten Jahrzehnte verstaubte sie im privaten Atelier von Wilhelm Wagenfeld, wo sie erst 1979 vom Kunstliebhaber Walter Schnepel wiederentdeckt wurde. Schnepel erkannte das enorme Potenzial der Leuchte, sicherte sich die Rechte und modernisierte sie in einigen Details, damit sie besser produziert werden konnte. Natürlich mit Genehmigung von Wagenfeld höchst selbst.

So kam es 1980 zu einer doppelten Geburtsstunde. Zum einen gründete Schnepel seine Firma Tecnolumen, zum anderen half er der Wagenfeld-Leuchte mit seinem Mut und seiner Weitsicht, eine weltweite Stilikone zu werden, die 1982 den Bundespreis „Gute Form“ erhielt und zu einem der berühmtesten Objekte des frühen Industriedesigns avancierte. Bis heute wird die Leuchte exklusiv von Tecnolumen hergestellt. Eine fortlaufende Nummerierung sowie das Tecnolumen-Siegel garantieren die Echtheit der legendären Leuchte. Extra für das Bauhaus-Jubiläum hat der Bremer Hersteller zudem eine komplett versilberte Sonderedition auf den Markt gebracht, die auf 999 Stück limitiert ist. Selbstverständlich kann man diese Jubiläums-Leuchte auch in den Prediger Showrooms in Hamburg, Düsseldorf, Berlin und Frankfurt am Main kaufen.

Das Bauhaus und Marianne Brandt

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Im Bauhaus Dessau hängen bis heute die Leuchten von Marianne Brandt. Foto: Pixabay/Tegula

Aber kehren wir zurück zum Bauhaus und in das Jahr 1924. Denn damals gab es neben Wilhelm Wagenfeld in der Metallwerkstatt eine Schülerin, die sehr nachdrücklich mit ihrem Talent auf sich aufmerksam machte: Marianne Brandt. Sie war eine der ganz wenigen Frauen, die sich fernab der Weberei in einer von Männern dominierten Werkstatt nicht nur behaupten, sondern sogar durchsetzen konnte. Ihre Entwürfe zu diversen Aschenbechern und Teekannen fanden schnell höchste Anerkennung – und auch im Leuchtendesign überflügelte sie rasch ihre männlichen Kollegen. Und das nicht zu knapp. Denn fünfzig Prozent aller Entwürfe der Metallwerkstatt stammten von ihr und Wilhelm Wagenfeld.

Die wohl größte Ehre ließ Walter Gropius Marianne Brandt zuteilwerden. Denn als das Bauhaus von Weimar nach Dessau umziehen musste, wurde eben jener Neubau nicht nur mit Leuchten von Max Krajewski, sondern auch mit denen von Marianne Brandt ausgestattet. Die Originale sind dort bis heute noch zu sehen. Außerdem ist es erneut Walter Schnepel und Tecnolumen zu verdanken, dass die Entwürfe von Marianne Brandt nicht zu Relikten vergangener Zeiten avancierten, sondern nach wie vor produziert werden.

Wiederauferstehung der Bauhaus-Leuchten

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Die DMB 26 von Marianne Brandt ist heute noch genau so aktuell wie 1926. Foto: Tecnolumen

Nach der endgültigen Bauhaus-Schließung im Jahr 1933 wurde es still um Marianne Brandt. Trotz einiger Lehrtätigkeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, lebte sie die meiste Zeit recht isoliert in der DDR. Über Umwege gelang es Walter Schnepel, mit der Künstlerin und Designerin zu kommunizieren und so das Reproduktionsrecht für ihre Leuchten zu erhalten. Als Dankeschön sendete er einige Wagenfeld-Leuchten an verschiedene DDR-Museen – in Einzelteilen separat verschickt, damit das Designobjekt nicht vom Zoll abgefangen und konfisziert werden konnte.

Ob nun die Brandt-Deckenleuchten wie die DMB 26, DMB 31, ihre Pendelleuchten HMB 27 und HMB 29 oder aber die Leuchte HMB 25/500, die 1925 am Bauhaus in Zusammenarbeit mit Hans Przyrembel entstand – Tecnolumen hat die wichtigsten Leuchtendesigns von Marianne Brandt ebenso im Portfolio wie auch einige ihrer bekanntesten Aschenbecher und Teekannen. Wobei Tecnolumen vor allem im Leuchtenbereich der wichtigste Bewahrer und Anbieter von Bauhaus-Designs ist. Denn neben den Leuchten von Marianne Brandt und Wilhelm Wagenfeld hat der Bremer Hersteller auch zahlreiche Designs anonymer Künstler im Portfolio, deren Entwürfe entweder bis 1933 direkt am Bauhaus oder danach unter dessen Einfluss entstanden sind. Damit gelang Walter Schnepel das, woran Walter Gropius und die anderen beiden Direktoren am Bauhaus scheiterten. Nämlich die Leuchtenentwürfe dauerhaft und zuverlässig produzieren zu lassen.

Bauhaus-Leuchten damals und heute

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Das Bauhaus hat Design-Geschichte geschrieben. Foto: Pixabay/Alicia1

Zwar arbeitete das Bauhaus ab 1927 mit Hochdruck an neuen Leuchtentypen und ließ diese auch von der Berliner Firma Schwintzer und Gräff produzieren, doch konnte sich keine Kontinuität einstellen. Das lag nicht zuletzt daran, dass Hannes Meyer 1928 als neuer Bauhaus-Direktor die bis dato 53 unterschiedlichen Leuchtenmodelle auf einige wenige Standardtypen reduzieren ließ. Außerdem kam es zu einem Produzentenwechsel. Fortan wurden die Leuchten vom Leipziger Unternehmen Kortin und Mathiesen hergestellt, bis auch hier die Produktion mit dem Ende der Bauhaus-Ära final eingestellt wurde.

Erst Walter Schnepel gelang es, einen Großteil der unterschiedlichen Designs in seiner Firma Tecnolumen ab den 1980er-Jahren wieder zu vereinen und zu fertigen. Seitdem sind die Leuchtenklassiker nicht nur bei Designliebhabern äußerst gefragt. Natürlich finden Sie eine große Auswahl dieser Leuchten auch in unserem Online-Shop sowie in unseren Showrooms in Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Frankfurt am Main, wo das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum in unseren Ausstellungen sehr präsent ist.

25. April 2019, Nicole Korzonnek
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