Designklassiker, Teil 1: Die Wagenfeld Tischleuchte von Tecnolumen

Sie ist ein Sinnbild für zeitlose Eleganz und geschmackvolles Understatement. Sie ist ein weltbekannter Designklassiker, genauso aber auch eine Stilikone des Bauhaus. Und seit mittlerweile fast 40 Jahren ist sie zudem der Topseller des Bremer Herstellers Tecnolumen. Die Rede ist von der Tischleuchte WG 24 / WA 24, die Wilhelm Wagenfeld 1924 im Alter von 24 Jahren in der Bauhaus-Werkstatt in Weimar entworfen hat. Obwohl die „Bauhaus-Leuchte“ anfangs ein kommerzieller Flop war, gehört sie mittlerweile zu den meistverkauften Leuchten der Welt. Grund genug, die Wagenfeld und ihre bewegte Geschichte im ersten Teil unserer neuen Lichtjournal-Serie über Designklassiker etwas genauer vorzustellen.

Stilvoll, elegant, absolut zeitlos: Die Tischleuchte WG 24 / WA 24 von Tecnolumen, besser bekannt als „Bauhaus-Leuchte“ hat von ihrer Strahlkraft nichts eingebüßt und verkauft sich heute besser denn je. Alle Fotos: Tecnolumen

Die Anerkennung für Wilhelm Wagenfeld bzw. seine „Bauhaus-Leuchte“ kam erst ziemlich spät, wirkt aber dafür umso stärker nach. Von 1924 bis 1930 wurde sie zunächst nur in kleinen Stückzahlen und größtenteils von Hand gefertigt. Die Wagenfeld-Tischleuchte galt schließlich als nicht funktional genug, vor allem aber auch als viel zu teuer. Die 55 Reichsmark (RM), die damals vom produzierenden Unternehmen Schwintzer & Graf für den späteren Klassiker aufgerufen wurden, konnten oder wollten sich einfach viel zu wenige Menschen leisten, so dass sie ab 1930 vom Markt genommen wurde.

Erst ein Verkaufsflop, heute ein leuchtender Mythos

Auf dieses erste Tief folgte knapp 50 Jahre später ein aktuell immer noch anhaltendes Hoch. Denn 1979 bemühte sich der Bremer Walter Schnepel um die Lizenz der heutigen Bauhaus-Ikone und bekam kurz darauf von Wilhelm Wagenfeld höchstpersönlich die Erlaubnis, dessen Leuchte endlich wieder zu fertigen. Damit war der Grundstein für den unnachahmlichen Siegeszug der Tischleuchte WG 24 / WA 24 gelegt. Bereits ein Jahr später gründete Schnepel in Bremen das Unternehmen Tecnolumen, das als weltweit einziger Lizenzinhaber schon kurze Zeit später mit der Produktion der weltberühmten „Bauhaus-Leuchte“ begann. Tausende Wagenfeld-Leuchten wurden seither in die ganze Welt exportiert. Alle sind nummeriert und werden mit einem eingestanzten Tecnolumen-Stempel in der Fußplatte versehen, damit sie als Original zu erkennen bzw. von den unzähligen existierenden Plagiaten zu unterscheiden sind.

Ihr Schöpfer heimste erst sehr spät den Ruhm für die heute weltberühmte Leuchte ein: Wilhelm Wagenfeld.

Das Original trägt immer Nummer und Stempel unter dem Fuß

Dass die „Bauhaus-Leuchte“ heute als einer der größten Designklassiker des 20. Jahrhunderts gilt, liegt mit Sicherheit auch daran, dass die Neuauflage aus dem Hause Tecnolumen 1982 mit dem Bundespreis „Gute Form“ ausgezeichnet sowie 1986 in die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) aufgenommen wurde. Sie wird wie das Original von 1924 immer noch in zwei Varianten gefertigt – entweder mit einem Fuß und Zylinderkörper aus Glas  (WG 24) oder aus vernickeltem Metall (WA 24). Überhaupt gibt es bei der Leuchten-Ikone heute im Vergleich zum fast 100 Jahre alten ersten Entwurf nur kleine, kaum wahrnehmbare Änderungen, was vor allem produktions- und kostentechnische Gründe hat. Geblieben ist dagegen ihr unverwechselbarer Schirm aus Opalglas in Form einer 5/8-Kugel, der vom zylinderförmigen Schaft auf dem runden Leuchtenfuß getragen wird. Im Korpus aus Glas befindet sich außerdem ein metallenes Rohr, welches das Stromkabel aufnimmt. Eine Schnur mit einem kleinen Metallkügelchen als Zugschalter rundet das Äußere der Wagenfeld-Leuchte gekonnt ab.

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Inbegriff des Bauhaus aufgrund der geometrisch-strengen Formsprache

Wilhelm Wagenfeld, am 15. April 1900 in Bremen geboren und am 28. Mai 1990 in Stuttgart gestorben, hat nach dem Designgrundsatz „Form follows function“ in seinem Leben über 600 Produkte entworfen. Darunter das Service 639 für die Pozellanmanufaktur Fürstenberg, das Besteck POTT 783/83 oder die Salz- und Pfefferstreuer Max und Moritz für WMF. Allerdings – und das trägt sicherlich auch zu ihrer Legendenbildung bei – war der Entwurf für die „Bauhaus-Leuchte“ Wagenfelds erster Designentwurf überhaupt. Und rückblickend betrachtet auch sein erfolgreichster. Nach einer Lehre zum Industriezeichner in Bremen kam Wilhelm Wagenfeld 1923 als Student an das staatliche Bauhaus Weimar, wo er unter der Leitung seines Lehrers László Moholy-Nagy und zusammen mit seinem Kommilitonen Carl Jakob Jucker die Leuchten MT 8 bzw. MT 9 konzipierte. Sie gelten als Vorgänger der heute berühmten „Bauhaus-Leuchte“. Im Herbst 1923 wurde ein erstes, noch unfertiges Modell mit Glasfuß und -säule erstmals im Musterhaus Am Horn einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt, ehe Wagenfeld dieses ein paar Monate später vollendete und zusätzlich noch ein zweites Exemplar aus vernickeltem Metall präsentierte. Heute kaum vorstellbar, aber eingangs bereits erwähnt: Die Leuchte blieb trotz ihrer Bauhaus-Herkunft ein Ladenhüter und wurde nach nicht einmal sechs Jahren wegen anhaltender Erfolglosigkeit wieder vom Markt genommen. Seit 1980 ist sie aber wieder zu haben und verkauft sich heute besser denn je.

Schutz vor Fälschungen: Der eingestanzte Tecnolumen-Stempel und die fortlaufende Nummer unter dem Fuß jeder Tischleuchte unterscheiden die original Wagenfeld aus Bremen von den unzähligen billigen Plagiaten.

Die Wagenfeld: Für Tecnolumen so etwas wie eine Lebensversicherung

Die Wagenfeld-Tischleuchte erscheint mit ihrer einfachen, geometrischen Formsprache auch heute noch als höchst simple, gleichzeitig aber auch besonders effiziente Leuchte. Sie repräsentiert mit ihrem stilvollen Design und der hohen Funktionalität genauso wie zum Beispiel der Sessel „Wassily“ von Marcel Breuer oder der „Freischwinger“ von Mies van der Rohe alle wesentlichen Merkmale des Bauhaus. Die Tischleuchte WG 24 / WA 24 von Wilhelm Wagenfeld gilt deshalb auch als eine der Ikonen des Industriedesigns und stellte sich für den deutschen Hersteller Tecnolumen als echter Glückgriff bzw. echte Lebensversicherung heraus. Denn das Bremer Unternehmen, das auf Leuchten, Einrichtungsgegenstände und Accessoires im funktionalen (Bauhaus-)Design spezialisiert ist, hat die Wagenfeld-Leuchte seit ihrer Wiedereinführung 1980 in unglaublichen Stückzahlen verkauft. Und ein Ende der Erfolgsgeschichte ist bei Weitem nicht in Sicht. Dem zeitlosen Design und der stilvollen Eleganz sei Dank.

14. Februar 2017, Christian Buchholz
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